Heft 
(1992) 2/1992. Mai 1992
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.

Gedenken in der Gegenwart Erfahrungen mit der Vergangenheit

Stationen einer Reise durch Polen

Seit wenigen Jagen erst sind wir zurück, und es fãllt mir schwer aus der Fülle der kindròcke auszuwählen, denn wir haben sehr Vieles und sehr Unterschiedliches gesehen und erebt zum einen und zu allererst Orte, velche die Frinnerung an die brutale Wilkürherrschaft der Natio- nalsozialisten in Polen wachhalten, zum anderen aber auch die Freundlichkeit der polen uns gegenüber sowie ihter Stãdte und Landschaften.

Der bedrũckende und deshalb wohl auch eindròcklichere Jeil unserer Reise war und bleibt zweifellos der zuerst genannte. ch greife nur drei Orte heraus, diejeni- gen, die mich am stãrksten berũhrt haben: Lõdz, Feblinka, Auschwitz.

Kinderverwahrlager L6dz

lodz: WMas man über diese Stadt in der Mitte Polens veiß oder ũberall nachschla- gen kann: seit dem 19. jahrhundert eine ndustriearbeiterstadt mit Schwerpunkt ſextilindustrie; ein hoher jüdischer Bevöl- kerungsanteil aus Galizien, Litauen und Weißrußland, deshalb dort die kinrich- tung eines der ersten jüdischen Gettos (Litzmannstadt) wãhrend des Zweiten Meltkrieges Was man nicht weiß und auch in den üblichen Reisebüchern nicht ſindet In Lõdz hatten die Nationalsozia- listen ein Kindererwahrlager eingerich- tet. Hier lebten zwei bis vierzehnjãhrige polnische Kinder die auf der Straße auf- gegriffen worden waren. Scweit sie den dealvorstellungen der sogenannten Ras- senlehre entsprachen, wurden sie nach Deutschland gebracht und dort zur Mop- tion freigegeben; die anderen waren mit sechs jahren arbeitspflichtig und wurden abgerichtet zu unbedingtem Gehorsam gegenüber Deutschen. Dieses Nerwahr- lager war also faktisch ein Arbeitslager

von Margret Am Ende

Das lager selbst existien nicht mehr es gibt dort aber untergebracht in einem einzigen Raum in einer nach dem kKrieg erbauten Schule ein kleines Museum, und hier findet man aufschlußreiches Material über die Realität dieses lagers: Monat für Monat die penibel verfaßten offiziellen Lagerberichte; sie geben die Zahlen der Erkrankten, Verletzten und Gestorbenen an, nennen als ſodesursache am häufigsten Erschöpfung. lm kKontrast dazu steht die stereotyp wiederkehrende abschließende feststellung, der All gemeinzustand der Kinder sei gut.

Die Polen haben diesen Kindern ein monumentales steinernes Denkmal gesetzt, aber kein heroisches, sondern eines, das mit sparsamsten Mitteln die Situation der Kinder in diesem lager zur Anschauung bringt ein Kind, mit dem Rücken zu uns, steht nackt, mit hängen- den Schultern und Armen und mit gesenk tem kKopf vor zwei riesigen glatten Stein- blöcken, die wie Mauern senkrecht vor ihm aufragen. Zwischen diesen Blöcken gibt es einen sehr schmalen Spalt, der als einziger Weg in Frage kommt. Man sieht auch, daß dieser Weg schon oft begangen vorden ist, denn in der Tiefe dieses Spal- tes staffeln sich hintereinander die Kör- perabdrũcke vieler Kinder aber sie sind eben nur noch als Hohlkõrper wahrnehm- bar und verlieren sich dann ganz. vom Ausgang des Meges her schirmmert etwas licht durch diesen Spalt, aber es ist uner- reichbar

ausendfacher Tod: Treblinlka

Feblinka: Das ist der Name eines lang- gestreckten Straßendorfes. Man sieht viele Holzhäuser und eine eher kleinräumige landwirtschaft, übergehend in eine sehr weitrãumige, unberũhrt wirkende Land-