Heft 
(1992) Sondernummer. März 1992
Einzelbild herunterladen

6

Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.

Internat. Rat Staatl. Museum Auschwitz PROF. BOHDANM RVMASZEWSKI: Wir erwarten von Deutschland Ver- stãndnis für den polnischen Willen, Au- schwitz zu erhalten. Das richtet sich nicht gegen die Deutschen. Alles, was wir wollen, ist, dieses Zeitdokument zu erhalten. Vor allem auch für die junge Generation der Deutschen, weil das schließlich im Interesse der Versöhnung iSt

INTERVIEWERIN:

Was heißt das konkret?

PROF RVMASZEWSKI:(Ubers.) Konkret heißt das: Dem Verständnis in Deutschland soll Hilfe folgen, sowohl technologische wie finanzielle Hilfe.

KOMMENTAR:

Hilfe ist jetzt nicht nur nötig, sondern auch möglich: Erwartungen an Deutschland.

Zentralrat der Juden in Deutschland HEINZ GALINSKI:

Es muß geschehen, daß einmal die Länder, die es angeht und das ist in erster Linie hier Deutschland

Deutschland muß einen erheblichen Beitrag dazu leisten, daß hier Auschwitz in einer Form erhalten bleibt, die es den Menschen ermöglicht, doch sich ein Bild zu machen, was einmal hier, auf diesem Komplex vor sich ging. Wenn jetzt hier nicht sofort etwas geschieht, ist der weitere Verfall einfach nicht mehr aufzuhalten, und dann wird es um so schwerer sein, das Bild zu rekonstruie- ren, was einmal hier auf diesem Boden vorhanden war.

KOMMENAR:

Geld wird es geben, irgendwann aus der Ronald S. Lauder-Foundation, einer internationalen Stiftung, die sich für den Erhalt einsetzt. Eine Studie belegt: 42,8 Millionen USPollar werden ge- braucht. Die Hälfte knapp 40 Millio- nen Mark will die Bundesrepublik zahlen. Nur, woher das Geld kommen Soll, ist noch strittig. Entweder zahlt das Bundesfinanzministerium oder ein deutsch-polnischer Fonds. Bis dahin vergeht Zeit Zeit, in der Auschwitz weiter verfällt. Die Vergangenheit ist nicht tot, sie ist noch nicht einmal wirk- lich vergangen.

Abmoderation: Auschwitz verfällt

JOACHIM WAGNER:

Auch wenn sich die Bundesregierung jetzt endlich Jahre zu spät finan- ziell am Erhalt von Auschwitz beteiligen will, zusätzliche private Hilfe bleibt un- verzichtbar. Nur sie kann schnell und unbürokratisch geleistet werden, und die moralische, historische und politi- sche Verantwortung für die Greueltaten des NS-Regimes trifft nicht nur den Staat, sondern alle Deutschen.

Vielen Dank für Ihr Interesse und guten Abend

Nachdruck der Panorama-Sendung er- folgt mit Genehmigung des NDR und der Autorin Frau Patricia Schlesinger.