Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V.
Ein Kassieber aus dem Kl. Auschwitz
Briefe nach'draußen' zu verschtcken, var Juden danals 1m Konzentrat1ons- und Vernichtungslager Auschvttz 1n nur ganz seltenen Ausnahnen erlaubt. Und venn, dann var der text!liche In- halt vorgeschrleben, sozusagen a1s Al1bi über das angebltche gute Be- finden' der Lagerinsassen.
Und doch gelang es auch jüdisSchen Haftlingen, Schtlderungen über die schlimmen Geschehnisse 1m Lager nach draußen zu schnuggeln. S1e varen stch der ungeheuerlchen Gefahr, 1n die sle sich dantt begaben, vo11 be- „ußt. Es bedeutete bei einer Entdek- kung in der Regel das Todesurtei!; aber es var für s1e»tchtig, das dte Menschhelt über Auschvttz dte Vahr- heit erfuhr.
Heinz J. Herrmann, geboren 1n Trop- pau, Jahrgang 1921, zählte zu den danaligen Haftlingen, die dieses Ri- stko eingegangen varen. Er var vom Oktober 1942 bis Januar 1945 1m KI. Auschwtz, nachdem er vorher schon vler Monate im KL. Theres ienstadt zu- bringen muBte. Und er öberlebte auch vle ein Vunder den Todesmarsch nach und den Aufenthalt 1n Dachau bis zu selner Befrelung.
Den an seilne 1n ProsSnitz lebenden Tante und Onkel gertchteten Brief hatte ein im Lager beschäftigter tSchechtScher 21vLlarbetter trans- portlert. Heinz Herrmann hatte ihn dann später lange Zelt aufbevahrt und iUhn dann der Gedenkstätte VAD VASHEM 1n Jerusalem als Dokument ge- geben. Der nachfolgend vtedergegebe- ne Brlef„urde dort restaurlert, da der Zahn der Zelt an den nit Blei- stift auf Packpapler geschrtebenen Brief, der vegen des besseren Ver- steckens zuden noch nehrmals gefal- tet vorden var, seine Spuren hinter- lassen hatte.
Die authentische Viedergabe des
Brlefinhaltes erfordert die Betbe- haltung von orthographischen und granmatikalischen Abweichungen und
von Durchstreichungen einzelner Vor- te, venigstens in den neisten Fal1en, So, N1e sle 1m Original vorhanden Ssind. Der Leser nuß auch berücksich- tigen, das Heinz Herrmann, als er diesen Brief schrieb, erst 23 Jahre alt„ar, bei der Lagerankunft seine Eltern sofort verloren hatte und un- ter dem ungeheuren Druck stand, beim Schreiben nicht erwischt zu verden.
Verschtedene Passagen des Briefes bleiben dem Leser sicherlich unklar, dazu müßte er nehr über die Famt- 11enverhaltnisse und uber sonstige Lebensunstande des Heinz Herrmann vissen. Zum Briefinhalt bletbt jedoch nur die offene Schilderung äber seine Lagerer lebnisse und äber die Lager- verhaltnisse Nichtig.
4. den 4. T. 44.
Liebste Tante und Onkel.
Vor 4lem danke 1ch Fuch herzlichst fUr alles, vas Ihr m1r schickt, auch
dafür, vas 1ch von dem öberbringer dieses Briefes bekommen habe. B8 Stimmt ales nit den Inhaltsver-
zeichnis, das Du, aMerliebster Onkel geschickt hast, dberein. FS 1st ein „irk1ch gckicher Zufall, dass 1ch gerade mit einem Landswann und noch dazu mit einen so anstandigen zusam- wenkam- Vun„1 ich die heutige Gelegenhelt dazu ausnützen, Euch er- stens erklärlich zu nachen, varum ich so eindringich inmmer um Fakete bat, die ja gottlob jetzt vOkomnen in Ordnung und vollzshlig eintreffen, und 111 dabel gleichzeitig die trau- rige Frage des 1b. Onkel— Schreib Details Ottos Schicksal beantvorten.— Nun„ir trafen wit neinen Mebsten Ftern am 26. Oktober 1942 aus The- res ienstadt hier ein. FS„ar eine boden Iase Geneinheit des Herrn Vogel meine Ftern nicht aus dem Folentransport hinauszuziehen, doch


