28 Lagergemeinschaft Auschwitz/Freundeskreis der Auschwitzer e V.
Sieben Pakete nach Lodz.. wir Kamen zu spät— kin Aufruf! V
Vr stelLen dte Lastwagen am Bahnhof ab, nehmen zue1 Taxt1s und Fahren dte Lebensmtttel und de KLeLdung dtrekt zu den Menschen, Für dte sde bestimt stnd. 2ve1 Pakete s1nd für Anse1 Cymerman.. Hermann kennt Lhn ntcht, ve1ß nur, daß es Uhm schlecht geht. vr ha1- ten 1n etner schmalen Straße vor enem alten Haus. Setnen Namen fFAnden vIr 1m Durchgang zum Htn- terhof. Ean düsteres Treppenhaus, die Farbe blättert von der Vand, es 1st feucht. Es vrkt unbe- vohnt. ELntge Nohnungstüren s1nd mt groben Brettern vernage1t.
Ob da einer vohnt? Auf unser KLopfen hin hören vr schlurfen- de Schrttte. Die Tür vLrd einen Spalt brett geöffnet. VLr stehen enem rund1ichen, kKLetnen Mann gegenüber, der auf dem Hnter- kopf e1n Käppchen trägt, das
der orthodoxen Juden.
Hermann ste1Lt stch vor, er— kLärt unseren Besuch, sagt, v1r Auschvitzer müssen doch zusem- menhalten. Der Mann guckt fas- sungs1os auf dte betden Pakete⸗ Fur m ch? Thr habt dabei an
mtch gedacht? Er kann es nächt begretfen, Freut sich, schüt- te1t 1mmer vLeder ungLäubtg den Kopf. Das 1st virk1tch für md ch? Kommt retn!
TIch sehe, vde Hermann vor Schreck dte Luft anhäLt. Ddese Vohnung 1st e1n e1nztges Chaos! Aus den Schränken qut 1L1t Wäsche und Ge— schtLrr. Auf dem Fußboden, dem Bett, den Stühlen, dem Tasch, stape 1n s1ch v1 1d durchetnan-
der Decken, Ktesen, Te11er, Tassen, Bücher, vergtLbte Zett- schrtften und etne Unmenge von pantoffe1n. Anse1 CyVmerman 1st Schuhmacher gevesen. Dde Noh- nung var selne Merkstatt. Er Fordert uns freund1tch auf, PLatz zu nehmen, aber v1r vLssen ntcht, vo. Er schaufelt zwe1 Stühle fre und setzt sLch auf se1n Bett. Er strahlt, und sene Freude beschämt uns. Vas v1r ihm brtngen, 41st ve— n1g. Kaffe, Tee, ö1, e1n baBchen ReLs— Dinge, die vLr jeden Tag übrghaben könnten. Und für das b6chen, vas vir Uhm brängen,
v111 er uns bevetsen, daß er virk- 1Ich ge1Ltten hat. Möchten 84e metne Narben sehen? Oh, nein, bütte nacht, Hermann vMnkt ab. Dae ttefsten Wunden sind doch die, dte man nächt steht. Der al1- te Mann nückt. Mean steht es nicht, aber st1e bluten noch Lmmer. A11e totgemacht Im Lager, ndemand üb- rggebLLeben, außer mr. Gottos V111e, und ketner ve1ß6, varum. WrT schvetgen, er 1st vett veg mt selnen Gedanken. Ndr müssen Jetzt gehen, sagt Hermann 1e1s6, dte Taxts varten. Amse1 Cymerman steht auf, 1Legt se1ne Hand
auf dte Thora, küßt uns auf dte StArn. Dann umarmt er uns und vent. Unser Aufbruch 18t e1ne Flucht. VLrT 1assen den vetnenden Mann a11eln. Er schdebt uns aus der Tür und sagt: Grüßt a11e KAnder von mur, dte Horffnung s4 nd dte Ktnder. Hermann retbt s1ch dde Augen und gbt mdr se1n Ta- schentuch. Komm, vLsch' dde Trä- nen ab,„LrT fahren vetter.
Das var 1m Oktober 1982— Mondka He 1d bertchtete 1n etner Sendung des Hesstschen Rund- Funks.
Ostern 1986—
vrT sLnd vLeder 1n Lodz, und vLe— der vo11en vLTF Amse1 Cyme rman e1n Paket brangen. Der Bus md t unseren Retsete1Inehmern hält 6 bel der u1. PLotkonska Nr. 31. ELne De Legattont LLeselotte aus Frankfurt, Erin aus Gteßen, Ger- hard aus Hamburg und Hermenn so1— 1en das Paket überretchen.
Die alten Z4nekasernen aus der Zelt un dte Jahrhundertvende se- hen a11e g1letch aus, auch dde Hinterhöfe stnd g1etch. Hermann sagt, hter Let es. Her auf Stte- ge 7 1m 1. Stock muß er vohnen. Der muffdge Geruch Let derse1lbe, das Sttegenhaus steht noch 1m- mer so desolat aus, WLrT fragen nach Cymerman, aber ndemand kennt Lhn.— Nr haben une getrrt, er vohnt auf Nr. 33. DdeseLbe Stte- ge 7 1 m 1. Stock. Ee rtLecht ge- nauso,„1e 1m vortgen Haus. Es 1st feucht, e1ne dumpfe, sttLcktge Lurt. VLr stehen vor der Türe,
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