Heft 
(2023) 1/2023. August 2023
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4 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

fundener Echtzeit an den letzten zehn Monaten ihres Lehens teilhaben (ebd.). Nutzer:innenumfragen haben allerdings ergeben, dass das Projekt die intendierte jugendliche Zielgruppe möglicherweise nur in geringem Um- fang erreicht hat. Zudem stieß insbe- sondere bei Bildungseinrichtungen und Gedenkstätten der sehr freie Umgang mit der historischen Person Sophie Scholl auf Kritik. Problema- tisch erscheint dabei vor allem, dass Fiktionalisierungen nicht oder nicht deutlich genug kenntlich gemacht wurden. Die echte und die digitale Sophie Scholl waren so für viele Ju- gendliche nicht zu unterscheiden, wie an Zahlreichen Kommentaren zu den Beiträgen deutlich wurde. Zudem wurde öffentlich kritisiert, dass hier der Fokus auf den christlichen, deut- schen Widerstand gelegt und so die jüdische Perspektive, aber auch ande- re Opferperspektiven in den Hinter- grund gerückt wurden. Dieses Projekt mag daher durchaus einen gut gemein- ten und lobenswerten Grundgedan- ken gehabt haben, in der konkreten Umsetzung offenbaren sich aber eini- ge grundsätzliche Probleme.

Holocaust Challenge Die jeweilige Online-Plattform be- Stimmt ganz grundlegend, in welchem Format die Inhalte medial aufbereitet und zur Verfügung gestellt werden müssen. Meist ist es eine Mischung aus Bild-, Text- und Tonelementen, wie et- wa auf Instagram, Reddit und Face- book(wobei diese Plattform unter Jugendlichen kaum noch populär zu

Sein scheint). Twitter(in?wischen in X umbenannt) dagegen setzt zentral auf kurze TIextnachrichten, die allerdings auch Bild-, Video- und Tonelemente enthalten können. Die Postings priva- ter Akteur:innen unterscheiden sich dabei in einiger Hinsicht von den In- halten von Bildungs- und Gedenkstät- ten, die häufiger einen Zugang über konkrete Wissensvermittlung suchen. Auf Tik Tok dagegen stellen Nutze- rinnen in häufig wenig aufwendig an- mutenden Videos z. B. Holocaustlitera- tur vor oder zeigen Ausschnitte ihrer Besuche in Gedenkstätten. Diese Aus- Schnitte werden dann teilweise mit ei- nem Schwarz-Weiß-FHilter und drama- tischer Musik unterlegt. Das mag nicht nur über den ersten Moment hinaus irritieren, allerdings Zeigt dies auch, dass der Zugang dieser jungen Menschen zu den Inhalten häufig und primär über Emotionalität erreicht wird. Das wie- derum ist per se ein nachvolkiehbarer Ansat?, der jedoch auch zu weit gehen und als verletzend, anmaßend und so- gar verzerrend empfunden und beur- teilt werden kann und aufgezeigt wer- den muss. Im Sommer 2020 gingen etwa eine Reihe von Videos viral, in denen junge Leute sich in einer Art Rollen- Spiel als verstorbene KZHäftlinge ver- kleideten und schminkten, um den Nut- zer:innen sozusagen aus der Perspek- tive eines Toten von ihrem Leben und Sterben zu erzählen. Diese Darstellun- gen stießen vieffach auf Empörung und Unverstãndnis. Auch die Gedenkstãtte vVad Vashem und die Gedenkstätte Auschwitz kritisierten dieHolocaust Challenge. Gleichzeitig betonte die