„Das Bauvorhaben ist bauseitig in die Dringlichkeitsstufe 0, apparateseitig in die Dringlichkeitsstufe SS einge- gliedert, womit der Grad der größten Dringlichkeit genügend gekennzeich- net sei. Er bittet die Vertreter von Staat, Partei und Wehrmacht um eine tatkräftige Unterstützung...“
(s. Dokument Nr. 17)
Erich Kranepuhl, ebenfalls IG-Vertreter im gleichen Amt, teilte mit, „daß der IG-Farbenindusirie zusätz- lich zu der Erzeugung von Buna noch der Auftrag zur Errichtung einer Treibstoffanlage mit einer Leistungs- fähigkeit von 75.000 t/Jahr gegeben worden ist, die ebenfalls mit großer Beschleunigung erbaut werden muß“. (Dokument ebenda) Der Leiter des staatlichen„Reichsamtes für Wirtschaftsausbau“ war niemand anders als der IG-Aufsichtsratsvor- sitzende Krauch! Zugleich war er der staatliche„Generalbevollmächtigte für Sonderfragen der chemischen Erzeu- gung“ und personifizierte also— wie an- dere IG-Gewaltige auch— die Einheit wirtschaftlicher und politischer Macht. So, wie es ihren Interessen entsprach,
Herren über Leben und Tod
Und die IG-Farben wirkte von Anfang an„auf ihre mit“. Max Faust, in der folgenden Zeit der IG- Herren über Leben und Tod Zehntausen- der KZ-Häftlinge und anderer Zwangs- arbeiter, stellte sich selbst das Zeugnis eines faschistischen Henkersknechtes aus. In einem der Wochenberichte der Werks- leitung Auschwitz vom August 1941 teilte er noch mit, daß er die SS-Leitung gebeten habe, wegen der demoralisieren- den Wirkung auf die„freien Arbeits- kräfte“ die„Züchtigungen auf der Bau- stelle.. in die Mauern des KZ zu ver- legen“. Im Dezember 1941 berichtete er über den„Mangel an Arbeitsdisziplin seitens der polnischen Arbeitskräfte... Alle Druckmittel, selbst die Einweisung in das KZ, bleiben fruchtlos... Nach unseren bisherigen Erfahrungen fruchtet bei diesen Menschen nur Brachial- gewalt.“ Und im Oktober 1943, nachdem Tausende und aber Tausende von Ge-
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konnten sie als Wirtschaftskapitäne oder als Beauftragte des Nazi-Staates auftreten. Sie waren— wie die Grün- dung des IG-Farben-Werkes Auschwitz beweist— Befehlsgeber und Befehls-
vollstrecker in einer Person. (s. Anhang, Dokumente Nr. 71 und 72)
Bütefisch,h IG-Vorstandsmitglied, Be- triebsleiter von Leuna, Produktions- beauftragter für Öl im NS-Rüstungs-
ministerium, als SS-Führer ranggleich mit Höß, gab bekannt, daß er mit der „Leitung der Fuerstlich-Pless’schen Bergwerksgesellschaft eine neue Ge- sellschaft gegründet(habe), welche über die Zeche Fuerstengrube die Kohlenbasis fuer das Werk Auschwitz bietet“. Von den aus Blut und Mord erwarteten Profiten war in den offiziellen Reden auf der Gründungsversammlung nicht die Rede. Ambros umschrieb es im NS- Jargon: „Die IG-Farbenindustrie erfüllt damit eine hohe Pflicht, auf ihre Weise mit- zuwirken und alle Kräfte einzusetzen, daß diese Industriegründung zu einem festen Eckpfeiler wird für ein kräf- tiges, gesundes Deutschtum im Osten.“
fangenen auf den IG-Baustellen zu- gsrunde gerichtet waren, beschwerte er sich über die Gestapo, die auf Anzeigen der IG-Farben gegen„Arbeitsbumme- lanten“ nicht immer„prompt arbeitet“ und„noch nicht erkannt hat, um was es geht“. Die IG-Farbenvertreter riefen immer lauter nach„besonderen Maßnahmen“, und Faust und andere betäligten sich selbst als Schläger. R
(s. Dokumente Nr. 18 bis 22) Diese Dokumente beweisen: Die IG-Farben benutzten SS und Ge- stapo als ihre Instrumente, Sie setzten die mächtigsten und grausamsten Nazi- Organe nach ihrem Willen für die Er- höhung ihrer Profite ein. Die Arbeitsbedingungen der Häftlinge, für die Faust und Dürrfeld die volle per- sönliche Verantwortung trugen, waren unmenschlich. Ein Zeuge im gegenwärti-


