Wir ehemaligen KZ-Häftlinge fragen:
Warum stehen neben dem ehemaligen IG-Farben-Vertreter Cape- sius nicht auch die führenden Männer des ehemaligen IG-Farben- Konzerns vor den Schranken des Gerichts?
Die Industriekapitäne des IG-Farben-Konzerns, die nach 1945 in der Bundesrepublik zum Teil die gleiche Macht in ihren Händen konzen- trieren konnten wie während des„Dritten Reiches“— sie sind die wirklich Schuldigen.
Sie sind die Hintermänner der 21 Angeklagten des Auschwitz-Pro- zesses und verhinderten jahrelang die Aufdeckung der vollen Wahr- heit über Auschwitz.
Deshalb blieb es den Vertretern der DDR, Prof. Dr. F. K. Kon der die Nebenkläger aus der DDR vertritt, und Prof. Dr. Jürgen Kuczynski, als Gutachter, vorbehalten, auf die volle Wahrheit hinzulenken.
Sie wiesen im Auschwitz-Prozeß nach, daß ehemalige IG-Direktoren wie
Fritzter Meer Heinrich Bütefisch
Otto Ambros Walther Dürrfeld für die Verbrechen von Auschwitz mitverantwortlich sind.
In der vorliegenden Dokumentation unterbreiten wir weiteres Tat- sachenmaterial über die Rolle der IG-Farben als Inspirator und Nutz- nießer der größten Todesfabrik aller Zeiten.
Wir wollen damit helfen, die Rolle der IG-Farben bei den Kriegs- und Nazi-Verbrechen aufzudecken, um zu verhindern, daß die Kriegs- brandstifter und Kriegsgewinnler von gestern einen neuen Weltbrand —_ und diesmal mit atomaren Waffen— anstiften.
Wir fühlen uns verantwortlich dafür, daß niemals wieder von deut- schem Boden ein neuer Krieg ausgeht.
Wir ehemaligen Auschwitz-Häftlinge sind keine Rachegeister. Wir haben bittere Erfahrungen gesammelt.
Wir fordern im Namen der Toten, im Namen der Hinterbliebenen, im Namen der Menschlichkeit, die Mörder von Auschwitz, ihre Auftrag- geber von der IG-Farben und alle an den Verbrechen Schuldigen vor Gericht zu stellen.
Berlin, im September 1964
BrunoBaum
Mitglied des Komitees
der Antifaschistischen Widerstandskämpfer in der DDR und ehemaliger Häftling des KZ Auschwitz Häftlings-Nr. 118 359


