Druckschrift 
Wie war das in Dachau? : Ein Versuch, der Wahrheit näherzukommen / von Johann Neuhäusler
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen

Krematorium

Hinter dem Drahtzaun befand sich auch das Zagerkrematorium, anfangs eine Holzbaracke, später ein Steinbau, hauptsächlich von polnischen katho- lischen Geistlichen errichtet, denen man das Maurerhandwerk beigebracht hatte. Dieses Krematorium war dicht am Lager ın westlicher Richtung in einem kleinen grünen Wald gelegen.

Bei dem meist vorherrschenden Westwind war das ganze Lager oft mit beißendem Leichengeruch erfüllt. Der Brandgeruch erinnerte die Gefangenen an ihren nahen Tod und wirkte natürlich allgemein deprimierend.

Mit dem neuen Krematorium war auch eine Gaskammer

verbunden. Sie wurde zwar schon 1942 begonnen, aber durchSabotage der Gefangenen sehr lange nicht fertig, erst 1945. Sie hatte einenAuskleide- raum, einBrausebad und eine Totenkammer. DieBrausen des Bade- raumes waren in Wirklichkeit Blechattrappen für die Giftgasleitung. Doch

. wurde diese DachauerGaskammer nie in Betrieb genommen. Nur Tote

kamen ins Krematorium zumVerbrennen, kein Lebender zumVergasen. Und doch wurden auch Tausende von Dachauer Häftlingen vergast, d. h. mit Gas getötet. Sie wurden nämlich zu diesem Zweck inInvalidentransporten nach Linz(Österreich) gebracht(1942-1944 allein 3166).

Michelet berichtet(Straße der Freiheit, S. 200) von einer guten Ver- wendung der Gaskammer bzw. des für die Vergasung vorgesehenen Giftes. Als im Winter 1944 der Typhus ausbrach, schlug der Capo des Desinfektions- kommandos dem Lagerführer vor, das Zyklongas zu nützen, um die Lumpen und Fetzen, die haufenweise im Hof der Desinfektionsbaracke lagen und gefährliche Träger der Läuse waren, zu desinfizieren. Der Versuch wurde gemacht, aber ohne Erfolg.

3. Die großen und die kleinen Diktatoren des KZ

Ich bin doch nicht der Herrgott. Warum stehst du da, wie wenn du beten möchtest? hörte ich einen Scharführer im KZ Sachsenhausen zu einem geistlichen Mitgefangenen sagen, als dieser beim plötzlichen Auftreten des Scharführers seine Hand über den Unterleib hielt, um nicht merken zu lassen, daß er unter seiner Joppe ein Buch hielt(es war ja damals nicht erlaubt, außerhalb der Freizeit irgend etwas zu lesen).Ja, ich bin doch nicht der

Oben: Ein Wachturm. Häftlingsdenkmal vor dem Krematorium; Unten: Lagerstraße vor der Priesterbaracke(Nr. 26)