Sehr interessant war das Lager Schlier. Dort arbeiteten zahlreiche Jü- dische Häftlinge als Graphiker und Lithographen.
Sie wurden ausschließlich zur Herstellung von ausländischen Bank- noten, Ausweisen und Siegeln gebraucht.(Die größte Fälschungsanstalt der Welt!)
In Anwesenheit der Gauleiier Rainer, Dr. Uiberreither, Dr. Jury, Baldur von Schirach und anderer habe ich von Reichsführer SS Himmler folgenden Befehl erhalten:„Die Juden vom Stellungsbau ‚Südosten’ müssen zu Fuß aus allen Orten in Bewegung gesetzt werden mit dem Ziel Mauthausen!"
60000 Juden sollten in Mauthausen ankommen: Es ist aber nur ein geringer Bruchteil davon eingetroffen.— Als Beispiel führe ich an: Ein mit 4500 Juden abgegangener Transport kam nur mit 180 Häftlingen an. Von welchem Ort dieser Transport abgegangen ist, weiß ich nicht. Frauen und Kinder waren ohne Schuhe, in Lumpen gehüllt und verlaust. Bei dem Transport befanden sich ganze Familien. Unzählige waren auf dem Wege wegen allgemeiner Körperschwäche erschossen worden.
(Ziereis stellt hier mit gespielter Entrüstung fest:„Das sind die Fol- gen solcher Befehle!"
Allein bei einem Transport von 5000 Juden vom Zeltlager Maut- hausen in das Lager Gunzenkirchen wurden auf der kurzen Strecke von vier Kilometer(Lager Mauthausen—Eisenbahnbrücke—Mauthausen) nicht weniger als 800 tote Menschen, die erschossen worden waren, gezählt. Mehrere Lastwagen mußten zum Abtransport der Leichen benutzt werden.
Auf die Frage nach seinem Vermögen gibt Ziereis an, nur ein Ver- mögen von etwa 13000 RM. zu besitzen und in einer Bank 6000 RM. hin- terlegt zu haben. Er behauptet, Gold, Diamanten, Brillanten usw. nie be- sessen zu haben.(Nach Aussagen der Ziereis bedienenden Häftlinge hat jedoch Ziereis wiederholt aus der Wertsachen-Abteilung der Gefangenen- Eigentumsverwaltung Wertsachen von Verstorbenen oder Juden entnom- men.) Briefe, die er von Himmler oder höheren SS-Führern erhalten hat, wurden verbrannt.— Dasselbe geschah mit allen Photographien, die Lagersachen betrafen.— Auch sämtliche Akten mußten verbrannt werden. — Der Gefangeneneigentumsverwalter, SS-Obersturmführer Eisen-
höfer, hat alles mit sich genommen.
Die Messerschmittwerke zahlten nach Aussage des Verhörten Ziereis täglich pro Häftling in den Rüstungsbetrieben an die Verwaltung in Oranienburg 8 RM. aus; aber nur 0.50RM. wurden dem arbeitenden Häft-
ling ausbezahlt.—


