eigenen Land gemacht hatte, wurden nun im Ausland verwertet. Das- selbe System, das die Deutschen unter den Willen des Führers ge- zwungen hatte, sollte dazu dienen, die Völker der Länder, die von seinen Armeen überfallen worden waren und unter deutscher Be- satzung standen, gleichfalls zu unterjochen.
Es gab zweifellos viele Deutsche, die niemals glühende Nazis waren. Sie betrachteten Hitler als einen gemeinen Emporkömmling und seine Spießgesellen als üble Schläger. Aber von diesen Deut- schen gehörte keiner der SS an, die den Kern des Nazismus bildete und deren Mitglieder ausnahmslos fanatische Jünger ihres Führers waren, die keine andere Bindung gegenüber Gott oder den Menschen kannten.
Zu Beginn des Prozesses gegen die deutschen Hauptkriegsver- brecher in Nürnberg erschien in den Spalten einer Lokalzeitung der Bericht eines Journalisten über den Besuch eines Lagers, in dem SS-Angehörige interniert waren. Alle hatten ihm nur die eine Frage gestellt:„Was haben wir denn anderes getan als unsere Pflicht?“ Wenn man die Mittäterschaft bei mehreren Millionen Morden und die Anstiftung dazu als Pflichterfüllung bezeichnen kann, dann hatten sie darüber hinaus tatsächlich kaum etwas anderes getan.
Dieses Buch enthält Kapitel über die Vernichtung der Juden, die Versklavung und Verschleppung von Arbeitern aus den besetzten Gebieten, die Erschießung von Geiseln, die Massenhinrichtung von Zivilisten sowie die Ermordung und Mißhandlung von alliierten Kriegsgefangenen.
Bei all diesen Verbrechen spielten die SS, der SD und die Gestapo eine führende Rolle.
Im Frieden waren diese Organisationen von den Naziführern mit der„Unschädlichmachung“(ein euphemistisches Synonym für Er- mordung) jeder Opposition betraut worden. Im Krieg sollten sie jeden Widerstand gegen die deutsche Besatzung brechen.
Die Ähnlichkeit der Methoden, die zur Verwirklichung dieser Ziele angewandt wurden, gewährleistete, daß der normale Dienst dieser Organisationen im Frieden gleichzeitig ihre Ausbildung für den Krieg darstellte. Durch Verfolgung, Terror, Folterungen und die allgegen- wärtige Drohung des Konzentrationslagers hatten sie in Deutschland
16


