erhielten graue Uniformjacken und Hosenröcke, hohe schwarze Schaftstiefel und ein Kokettes„Krätzchen“ auf die mehr oder weniger gut ondulierten Köpfe. Die gelangweilten SS-Männer nahmen sie unter ihre be- sondere„Obhut“. Die Offiziere belehrten sie darüber, daß sie um so rascher befördert würden und mehr Gehalt bekämen, je besser sie es verstünden, die Ge- fangenen„umzuerziehen“. Sie bekamen Gewalt über Menschen, die ihnen zum großen Teil geistig und moralisch überlegen waren. Sie wußten das und wett- eiferten daher mit den SS-Männern, indem sie auf die wehrlosen Häftlinge einschlugen, ihre Hunde auf sie hetzten und sie wegen jeder Kleinigkeit bei der Lager- leitung denunzierten, die dann ihrerseits schwere Strafen verhängte.
Die Aufseherinnen kamen täglich mit den Häft- lingen in Berührung. Es gab unter diesen SS-Frauen ein paar, die ihren Dienst wieder aufgaben, weil sie die Unmenschlichkeiten der SS nicht mitmachen woll- ten. Es gab auch einige, die den Gefangenen mensch- lich begegneten und gelegentlich sogar versuchten, ihr schweres Los zu erleichtern. Aber die überwiegende Mehrheit der SS-Aufseherinnen benahm sich brutal und unmenschlich, schlug und tötete erbarmungslos und bereicherte sich obendrein durch den raffinierten Diebstahl am Eigentum der Häftlinge.
Vom Gericht in Neubrandenburg wurde die ehe- malige SS-Aufseherin Erika Bergmann, geb. Belling, zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt. Diese Aufseherin hatte eines Tages den Auftrag erhalten, mit einer Kolonne Ravensbrücker Häftlinge außerhalb des Lagers zu Planierungsarbeiten zu gehen. Weil eine zwanzigjährige Zigeunerin angeblich nicht genug ar- beitete, ließ sie ihren Hund auf diese los. Der Hund zerriß dem jungen Mädchen den Unterleib. Blutend und mit heraushängenden Gedärmen wurde die Bewußtlose auf Befehl der Bergmann ins Schilf gelegt und dort, ohne daß sich ein anderer Häftling um sie
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