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Erlebnisse und Bekenntnisse : ein Kapitel Lebenserinnerungen des früheren Herausgebers der Zeitschrift "Das Neue Reich" und "Schönere Zukunft" / Joseph Eberle
Entstehung
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Unglücksfälle, die meisten Verhaftungen und Justiz- aburteilungen, später die Wirkungen von Luftangriffen, wurde verschwiegen. Diejenigen, denen es als Mitbetei- ligten oder Augenzeugen nicht verborgen werden konnte, wurden unter Androhung schwerster Strafen zum Schwei- gen verhalten.(Im Jahre 1944 wurden Menschen aus Wiener-Neustadt ins Gefängnis geworfen, weil sie ihren Arbeitskollegen in Wien von den Fliegerschäden in Wiener-Neustadt genauer berichtet hatten!) Ein Sichauf- klären durch Briefe, durchs Telephon, durch Reisen war fast unmöglich. Der Reiseverkehr, das Sichbesuchen wichtigerer Personen war überwacht. Der Telephon- und Briefverkehr stand unter Kontrolle; und wenn auch nicht jedes Gespräch oder jeder Brief tatsächlich zensuriert wurde, immer bestand doch die Möglichkeit dazu. So hütete sich jedermann, in Briefen oder Gesprächen Ent- hüllungen zu machen. Das Ausland spricht heute entsetzt von den Greueln der Konzentrationslager, von den Ver- brechen großer und kleiner Parteiführer; es meint, das deutsche Volk müßte von all dem gewußt haben, und es folgert aus der Duldung eine Mitschuld. Aber das Volk wußte in Wirklichkeit gerade das Böseste nicht. Man wußte im Süden von Dachau und Mauthausen, aber man wußte nichts von Belsen, Sachsenhausen, Auschwitz, Theresienstadt usw. Man wußte von schweren Quälereien in etlichen Konzentrationslagern, aber man erfuhr nie ge- naueres von der Zahl der Häftlinge, von denFolterbunkern, Gaskammern, Verbrennungsöfen, von der Zahl der Sterbenden. Man traf vielleicht Bekannte, die in einem Lager gewesen waren. Aber sie schwiegen sich aus; rede- ten vielleicht sogar von Gutgehen! Warum?Sie waren durch erzwungene Unterschreibung eines Reverses unter An- drohung der Wiedereinsperrung zum Schweigen ver- pflichtet; und sie schwiegen lieber, selbst gegenüber Frau und Kind, als nochmals diesmal mit Frau und Kind in die Hölle zu gehen. Es war wirklich so, wie der frühere Konzentrationslagerhäftling Steinwender(inChri- stus im K.Z.') schreibt:Dank der aus den Lagern(sc. gegen hohes Befreiungsgeld ihrer Angehörigen) ins Aus-

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