Druckschrift 
Die Keilschrifttexte der Universitätsbibliothek Gießen / unter Benutzung nachgelassener Vorarbeiten von Julius Lewy ; herausgegeben und bearbeitet von Karl Hecker
Entstehung
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Zur Einführung:

Keilschriften-Tontafeln sind ihrem materiellen Charakter nach Sammelobjekte der Museen, und es ist nicht gerade all­täglich, dass eine moderne Bibliothek auch zur Hüterin ei­ner Sammlung von Tontafeln wird. In der Tat ist die kleine Giessener Sammlung auch nur infolge der besonderen Entwick­lung der Giessener Hochschulverhältnisse nach dem letzten Krieg in die Universitätsbibliothek gelangt.

Soweit bekannt- berichtet Julius Lewy zum ersten Mal da­rüber in den"Nachrichten der Giessener Hochschulgesellschaft" VI,1(1927), S.42. Danach wurden mehr als 50 Tontafeln von

der Giessener Hochschulgesellschaft erworben. Sie wurden von Julius Lewy. in dem damaligen Orientalischen Seminar der Uni­versität Giessen betreut, der auch mit ihrer Bearbeitung be­gann. Doch setzte der nazistische Umbruch seiner Tätigkeit

ein Ende. Die Tafeln, in kleinen Zigarrenkisten verpackt, blieben dann, wie es scheint, im Stahlschrank des Seminars unberührt und wohl verwahrt. Nachdem aber das Orientalische Seminar im Laufe des Krieges verwaiste, lag die allgemeine Betreuung in den Händen des damaligen Direktors des Seminar­gebäudes, des Mathematikers Prof. Dr. E. Ullrich, der sich nach der teilweisen Zerstörung des Gebäudes der Tontafeln

mit besonderer Sorge annahm, sie in seinem eigenen Institut verwahrte und auch in den recht turbulenten Jahren der Giesse­ner Universitätsgeschichte der Nachkriegszeit weiter unter seiner Obhut behielt, da die Arbeit im Orientalischen Semi­nar nach dem Kriege nicht wieder aufgenommen wurde.

Als die Lage der fast total zerstörten Universitätsbibliothek sich allmählich konsolidierte, erschienen die Sondersammlun­gen der Bibliothek(neben Papyri, Urkunden und Handschriften) der am besten geeignete Platz für die weitere Bewahrung der Tontafeln, besonders im Hinblick darauf, dass über die Biblio­thek das Tontafelmaterial leichter etwaigen Interessenten zu­gänglich gemacht werden konnte. So fanden 1950 die Tontafeln ihren Platz in der Universitätsbibliothek.