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fern Grüͤnde von des Näch⸗ ſten Handlung ein? Iſt auch, was du tadelſt, Sünde? oder trüget dich der Schein? Urtheilſt du gewiſſenhaft? oder reizt dich Leidenſchaft?
3. Haſt du auch in ſeiner Jugend ſtets den Blick ihm zugewandt? Und die Feinde ſeiner Tugend, ſind ſie alle dir bekannt? Ach, was rech⸗ neſt du ihm zu, daß er Menſch
iſt, ſo wie du? 4. Oft vollbringt er nur im Stillen, was vor Gott ihm rühmlich bleibt; fehlt auch oft mit Widerwillen, oft nur, weil ihn Irrthum treibt, zeigt nicht Klugheit bei der Pflicht, aber Bos⸗ heit übt er nicht.
5. Chriſt, vergiß nicht, zu bedenken, was dein Nächſter fordern kann! Ach, wie würd' es dich nicht kranken, griff
er deine Ehre an! Deiner
ſchont ja auch der Herr; zeig dich nachſichtsvoll, wie er!
6. Selbſt bei wirklichem Vergehen meide mit Be⸗ ſcheidenheit alles unbefugte Schmähen, Haͤrte, Spott und Bitterkeit! Menſchen⸗ freundlich decke du deines Nächſten Fehler zu.
7. Mit dem reinſten Her⸗ zen biete ihm die Hand zu ſeinem Glück! Bringe, wenn du kannſt, voll Guͤte, aus der Irre ihn zurück! Hüte ſelbſt dich, wenn du ſtehſt, daß du keinen Fall begehſt!
Pflichten gegen den Naͤchſten.
8. Siehe nicht des Näch⸗ ſten Leiden gleich als Strafe Gottes an! Gönne dem er⸗
laubte Freuden, der ſie noch
genießen kann! Rie gib ſei⸗ nen frohen Sinn ſcheinbar⸗ frommer Schmähſucht hin!
9. Laß die Liebe dich be⸗ ſeelen, die nur ungern Arg⸗ wohn hegt, und, wenn Andre wirklich fehlen, ihre Fehler ſanft erträgt! Mehre niemals ihren Schmerz! Rühre, beßre nur ihr Herz!
10. Gott, der Richter aller Welten richtet mit Gerech⸗ tigkeit. Jedem wird er einſt vergelten, wie er lebt in dieſer Zeit. Ueberlaß ihm das Gericht! Richte du den Nächſten nicht.
Wohlthaͤtigkeit und Barm⸗ herzigkeit.
Mel. In allen meinen Thaten
(a) u, aller Men⸗ 485 D ſchen Vater, du gütigſter Berather in Al⸗ lem, was uns drückt! Was wir hier Gutes haben, ſind einzig deine Gaben; du biſt's, der unſer Herz erquickt.
2. Du laäͤſſeſt von uns Sündern durch Undank nie dich hindern, uns ſegnend zu erfreun! Zu ew'gen Se⸗ ligkeiten uns Sterbliche zu leiten, wird ewig dein Ver⸗ gnügen ſeyn.
bilde
Wo
bilde mein He Sinn Daß i Armen mich barnen, nin ven nir hin! 4. Gib, gebe; mid beſtrebe, ſo land that, d barwer, der ter Armer v Hülfe bat. 3, Erhalt be dor mitlei Wie du mir ſo laß um d Andrir Notd oſt ich ſie u 6. Jum Waken laf nunz ſtaͤrke Herrn der Geber liebel willg giebet dir wohlgefe 7. Laß m. ſaen; denn geſchehen, fo Zeit. Wer ſten liebet uin thun übet, die Geligkeit
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