Vor der Konfirmation.
Algütiger, du hast mich bisher auf deinen Va terarmen getragen, du hast mein Leben gefristet mich unzähligen Gefahren entriffen, und über mein leibliches und geistiges Wohl mit aller Sorgfalt gewacht; du haft mir theure, geliebte Aeltern geschenkt, die mit Zärtlichkeit an mir bången, für mich sorgten, mich schüßten und pflegten, und keine Entbehrungen, keine Mühe und kein Opfer scheuten, wenn es darauf ankam, mein wahres Beste zu befördern; du verliehest mir treue Lehrer, die mit Eifer an der Bildung meines Geistes und der Veredlung meines Herzens arbeiteten, mich im Nachdenken übten, den Kreis meiner Kenntniffe erweiterten, und mich besonders dich), o Gott, und deinen großen Sohn, meinen Heiland und Erlöser, näher kennen lehrten, und mir den Weg zeigten, den ich wandeln muß, wenn ich dir und Jefu gefallen und wahrhaft glücklich werden will; du gabst mir außerdem noch Gelegenheit genug, mich zu bilden und zu vervollkommnen, und alles das kennen zu lernen, was zu meinem wahren Frieden dient; du ließest mir dabey in meinem bisherigen Leben zahllose Freuden zu Theil werden, und jeder meiner Tage war durch mannigfaltige Wohl= thaten bezeichnet, die deine Baterhand mir zufließen ließ. Dieß alles tritt an dem heutigen, für mich so wichtigen und festlichen Tage vor meine Seele; mein Herz ist tief gerührt, und meine Thränen fließen. Es find Thränen der Freude und des Danks; der Freude, daß ich mich deines Schußes und deiner Gnade rühmen darf, des Dankes gegen dich, daß du bisher so viel an mir gethan haft, und gegen all' die theuern, geliebten Seelen, die für
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