76
Morgen- und Abendgebete.
will ich auf dem wege deiner gebote wandeln, neue fromme vorsätze auf mein fünftiges leben faffen, und neue treuen in deinem dienſte beweisen. Ich will in dem stande und in den umständen, worin du mich gefeßt haft mit neuer redlichkeit für deine ehre und das beste meiner nebenmenschenthätig seyn, und meine kräfte und fähigkeiten, meine glücksgüter und arbeiten zu diesem zwecke gewissenhaft und willig anwenden. Aber, mein Gott, mitten unter diesen erneuerten vorsätzen werden mich auch neue versuchungen und anlässe zur fünde umgeben: ich mag noch so entschloffen zum guten seyn, ich mag noch so gute rührungen in meiner feele bei dieser meiner stillen morgenandacht haben: so können doch diese guten entschließungen unter den zerstreuungen und forgen meines berufs, durch die verbindungen, worin ich mit andern menschen stehe, durch unerwartete begegnungen und vorfälle, leicht wieder in mir geschwächt werden und verschwinden. Gott, unterstüße du mich durch deinen beistand, daß ich bei keiner gelegenheit sünde begehe und deine gnade verliere. Laß die erinnerung an deine allgegenwart stets einen fo lebendigen eindruck auf mein herz machen, daß ich mich scheue, auch felbst im verborgenen nichts böfes zu thun; und gieb, daß jeder gedanke meiner seele, jede empfindung und netgung meines Herzens auf frömmigkeit, tugend und menschenliebe ges richtet sey. Und so will ich denn diesen tag ohne ängstliche sorgen und bekümmernisse anfangen, und freudig an meine arbeit gehen. Ich will deiner weisen regierung, du vater meiner seele! das ganze glück meines lebens mit kindlicher zuversicht überlaffen. So viele tage haft du schon väterlich für mich geforget, und mich aus so mancher noth herausgeriffen; ich traue es dir, der du mich durch Jefum Chriftum zur ewigen seligkeit erlöfet hast, dir und deiner vatergüte traue ich es zu, du wirst auch diesen tag mit mir seyn, mich behüten, versorgen und segnen, und alle meine irdischen angelegenheiten so ordnen und leiten, daß mein wahres zeitliches und ewiges glück dadurch befördert wird. Dies bitte ich von dir für mich, für die meinigen und für alle menschen, um Jesu Christi willen. Amen. niste ndol
tim
Am Donnerstage Abends.
err, unendlich gütiger Gott! unter so vielen tagen, die ich schon in meinem leben zurückgelegt habe, ist noch kein einziger ver strichen, an welchem du mir nicht unzählig viel gutes gethan, mich väterlich geleitet, vor vielem bösen bewahret, und mit geistlichen und leiblichen wohlthaten begnadigt haft. Auch für die güte des heutigen tages muß ich dich in dieser abendstunde preisen. Ich rief dich an dem heutigen morgen um die erhaltung meines Lebens, um schutz in gefahren, um fegen zu meinen arbeiten, um die regierung deines guten geistes an: und du hast mein gebet erhöret, ja noch mehr gethan, als warum ich dich bat. Wie ruhig könnte jetzt mein herz, wie freudig mein dank, wie sanft und erquickend mein schlaf seyn, wenn ich mich bei dem genuffe deiner wohlthaten keiner verfündigung schuldig gemacht hätte; aber mein Gott, auch dieser tag ist von mir nicht ohne viele fünden durchlebt worden. Wie viele fehler habe ich heute begangen, zu welchen ich schon durch mein temperament, durch meine lieblingsneigungen, durch mein alter und lebensart, oder auch durch den umgang mit andern menschen verleitet worden bin! Wie viel gutes hätte ich denken, reden und thun können, wenn ich Die gelegenheiten und ermunterungen, die du mir dazu geschenkt,


