Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerusalem. 65
Zu der zeit war ein trefflicher mann, sehr gelehrt, weise und verständig, priesterlichen amtes, unter den juden und der obersten einer im friege mit namen Josephus; als er im ersten schrecken mit etlichen wenigen in eine höhle geflohen, bei der stadt Jotapata, in Galiläa, ward er ergriffen und zu Vespasiano geführet; und als er demselben prophezeite, er würde noch kaiser werden, hat er ihn gnädig erhalten; und derselbe Josephus hat uns geschrieben hinterlassen, was wir von der geschichte wissen.
Als dies in Galiläa geschah, ist ein haufe gesammeltes, freches, räuberisches volk gen Jerusalem gekommen, da hat einer der großen Herren, Johannes, zu wege gebracht, daß er durch diese rotte das regiment an sich brächte. Da ist abermals ein heimliches morden, viel räuberei und plünderei zu Jerusalem gewesen, und hat es sich allents halben zum großen unglück geschicket, und ist die arme stadt allenthalben sehr geplaget worden. Es sind um diese zeit etliche hohenpriester erschlagen, und viel blut, auch sogar im tempel vergoffen worden. Josephus schreibet, daß zwölf tausend von den edelsten und besten juden in diesem lärm umgekommen sind, deren güter und häuser man dem pöbel und knechten zu plündern gegeben. Etliche meinen, daß dieses die Römer durch list zugerichtet haben.
So war nun damals schon, ehe das rechte wetter sie überfiel, Jerusalem mit dreierlei unglück geplaget, nämlich mit dem kriege der Römer, mit aufruhr und allerlei meuterei in der stadt, und mit den tyrannen, welche sich durch gewalt und lift einer nach dem andern aufwarfen, und ist um der Herrschaft willen viel blut vergoffen worden.
Als nun zu derfelbigen zeit die Gadarener sich den Römern widerfeßten, mußte sich Vespasianus eilends aus dem winterlager erheben, und nahm er Gadara, die stadt, ein, und er schlug durch seinen Hauptmann Placidum an die dreißig tausend bürger in die flucht, zwei tausend nahm er gefangen, der andere pöbel und flüchtige haufe stürzte. sich in den Jordan, und ihre todten körper sind im Jordan bis an die see Aspaliten fortgeflossen, welche man das todte meer nennet; darauf sind jenseit des Jordans bis zum Macharon allenthalben alle. juden von den Römern überfallen worden, und im großen schrecken umgekommen.
Es war bei dem ausgange des winters im anfange des frühlings, als Vespasianus hörete, daß Nero todt wäre; er lag zu Cäsarea, und machte sich eilends auf. Er hatte alle städte der juden eingenommen, außer etlichen schlöffern, welche einige fremde krieger inne hatten, und hatte allenthalben die städte mit römischem kriegsvolk beseßt, daß er Jerusalem, welches allein übergeblieben war, desto leichter stürmen und einnehmen könnte. Eben damals ist Vespasianus von seinem kriegsvolke zum kaiser aufgeworfen worden; er zog derohalb in Egypten, von dannen wollte er in Italien gehen, und übergab Tito indessen das kriegsvolk wider die juden.
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Titus aber, als er kundschaft halber an einige örter nahe bei Jerusalem geritten war, entkam schwerlich, daß er nicht von den juden gefangen ward: darnach schlug er sein lager auf bei Scopas, eine viertelmeile von der stadt, und theilte sein kriegsvolk, um die stadt an mehr denn einem orte zu belagern. Mittler zeit war ein großes und mächtiges volk aus allen städten, von allen orten auf das


