Gebet eines Sterbenden.
23
geschadet oder sie gekrånkt habe, laß mich ersezen und gut machen, daß ich kein beschwertes Gewissen vor deinen Thron mitnehme, und keine Seufzer mir in die Ewigkeit nach fols gen, die wider mich schreien. Laß mich dann bei dir Vers gebung atter meiner Sünden suchen, und sie auch erlangen durch meinen Heiland Jesum Christum; und schenke mir dabey durch deinen heiligen Geist, ein findliches frommes Herz, voll Glauben, Liebe, Geduld und Hoffnung. Wenn dann nur meine Seele so beschaffen ist, daß sie dir wohlgefallen kann; so geschehe mir, wie du willst: ich werde selig seyn, wenn ich sterbe; und wenn du mich långer leben lassest, werde ich in deiner Gnade am besten und glücklich sten leben. Ich übergebe mich mit Leib und Seele, mit allen meinen Anliegen und Bekümmernissen, in deine Hände, du Gott der Liebe, der du mich geschaffen, erlöset und geheili get hast! Erbarme dich meiner, und bilf mir in aller meiner Noth. Heilige mich ganz, und laß Seele und Leib unstråflich behalten werden auf den Tag Jesu Christi! Amen.
Gebet eines Sterbenden.
Allmächtiger Herr des Lebens und des Todes! so ist dann
nun der Tag da, oder doch ganz nahe, an welchem du mich aus dieser Welt nehmen und in die Ewigkeit einfüh ren willst.
Gnädigster Vater! Ich kann diese Erde nicht ohne Dankbarkeit gegen dich verlassen, für alle die Barmherzigkeit und Treue, für die unzählbaren Wohlthaten, die du mir erwies sen hast. Dank sey dir für all das Gute, welches ich als Mensch und als Christ in dieser Welt genossen habe: Dank für alle Freuden dieses Lebens- auch für alle Leiden, die du mir zuschicktest, und für alle die våterliche Fürsorge, wodurch du mir den Weg durch dieses mühselige Leben ers träglich gemacht hast.
Aber mit Reue und Wehmuth erinnere ich mich noch einmal meiner mannigfaltigen Sünden und Ulebertretungen, deren ich mich im Leben schuldig gemacht habe. Ach, wenn du mit mir ins Gericht gehen wolltest, heiliger Herrund Gott, so könnte ich dir auf tausend nicht Eins antworten; und wie fürchterlich würde nun meiner Seele ihr Gang zu Gett seyn, zu ihrem Herrn und Richter! Doch mit glaubiger Zuversicht nahe ich mich zu dir, du ewiger Erbarmer, der du uns nicht gesezt hast zum Zorn, sondern die Seligkeit zu


