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Der 6te Julius.
tropfen sich binnen dieser Zeit in unzähliche Tropfe chen und Stäubchen zertheilte, und gleich dem menschlichen Körper bald Kräfte einsog, nun bald sie wieder verdunstete. Über gebt dem Weisesten Musse, Vergrößerungsgläser, Gebult; gebet ihm allen euren Wiß, eurer Könige Macht: er hohlt den Waffertropfen dennoch nicht ein; dann die Natur wirft einen dichten Schleier über ihre Werkstatt. Indem wir noch sprechen es regnet: so ist der Regen durch Erde, Blätter und Rinden schon dermaffen filtrirt, daß er nun schon die Bes standtheile eines festen Körpers mit ausmacht. Kaum blickt die Sonne wieder hervor: so ist der Schauplatz aufs neue verziert. Die Regentropfen haben nahrhafte Theile mit denen sie geschwängert waren, abgesetzt; haben andre dagegen für andre Gewächse eingesogen, und dampfen allmählig zu neuen Auftragen wieder in die Luft. Kurz: der menschliche Verstand versinkt unter den wunders baren Eigenschaften eines Wassertropfens.
Aber warum will er sich auch mit Dünsten, Wasserblasen und Kleinigkeiten beschäftigen? Das zu ist mein Geist zu klein oder zu groß. Ich foll mich bei ihnen nicht aufhalten, und sie entschlüpfen meis nen Nachforschungen, auf daß ich meine Gedanken zu dem Unveränderlichen erhobe. Mein Zimmer, mein leib, die Natur mag sich immer verändern: meine Belustigung soll das seyn, aber nicht meine Hauptbetrachtung. Unwandelbarer! dir und deinen Geboten nachforschen, das sen meine freudigste Ar beit. Ist schon die Erde mit ihren abåndernden Auftritten so schön: Gott, welche ewig abwechs felnde


