Der 2te Julius.
theilet, daß sie nicht verzaget, wenn auch Berge mitten ins Meer und Sterne in ihr altes Nichts versänken. Sonne, Mond und Planeten werden am füngsten Tage ihren Schein verlieren; ich aber werde alsdann in meinem wahren Lichte glänzen.
Aber ach! eben diese zur Herrlichkeit bestimme te Seele zerarbeitet sich unter der last vieljähriger Sünden, die gleich Sandhügeln, in welche ein Sturmwind blåset, mir alle heitre Aussicht bes nehmen. Verstatte ich es meinen Lebensjahren, wider mich zu zeugen: o! so hat kein Schlachts feld jemals so gewinnfelt, als meine getödtetett Stunden. Jede, ohne dich, mein Gott! verlebt, Flaget mich als einen Mörder an, und rufet die Hölle zur Rache.
Gnade! Herr Jesu! Gnade über mich den bußfertigen Sünder! Jch, ich sehe die furchts bare Wage in deiner Hand. Uuf einer Schale liegen de: ne Forderungen, kehren, angebotne Kräfte. fast aufgezwungene Gelegenheiten zum Guten, und Berge göttlicher Wohlthaten. Die andere Schale sinkt im geringsten nicht, wenn ich gleich allen Sonnenstaub meiner Tugenden zusammen kehre. O! ich gebe die ganze Rechnung meiner Verdiens ste auf, und finde Beruhigung in dem Gedanken: daß ich ganz deiner Gnade lebe. Wie schudde muß der denken, der mit Gott rechten oder handeln will! Gott schenket, der Gedanke ist richtig; der Mensch bezahlet oder Gott muß ihm bezahlen, der Begriff ist albern. Es ist nur Ein Mitts Fer zwischen Gott und den Menschen. Nur du,
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mein


