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Unterhaltungen mit Gott in den Morgenstunden auf jeden Tag des Jahres. 2
Entstehung
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Der ite Julius.

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,, nen abgenußt sind, und der Tag sich in Nache ,, verkehret hat."

Gott! schon wieder ein halbes Jahr zurück gelegt, und wie viel habe ich nicht darinnen erleben Fonnen! So flein dieser Abschnitt meines Lebens scheint, und so flatterhaft ich auch war, so habe ich doch viel gesehen und erfahren. Im Jenner lange, sternhelle Nächte; im Februar schneidenden Frost; die Erstlinge der Gartenluft im März; Wetter im April, wie meine Denkungsart und wie mein Schicksal; dann bei immer steigender Sonne Blumen und Baumblüten. D! ich sah in diesem Zeitraum mehr als ich begreifen und verantworten fan: aber sah ich in allen auch dich mein Gott und Vater? Kam ich meinen Pflich ten bestmöglich nach, oder verschob ich vieles auf folgende mögliche Jahre? Aber auch achzigjährig bin ich doch nur ein Ephemeron; auf den morgens den Tag darf ich nie rechnen.

Vergib, langmüthiger! wenn ich meine Monate und Jahre verschleuderte! Noch heute Fann ich viel leben, wenn ich mich mit dir unters halte, und deiner Güte nachdenke. Aber auch diese Nacht kann ich sterben: welche Erfahrung! Stürbe ich heute alt und lebenssatt?

A 2

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