XIII
" Der vernünftige Zweck der Gebete, so wie aller finnlichen
Religionsübungen im Allgemeinen, und zugleich das Höchste, was sie wirken können, ist religiofe Erbauung. Diese bes steht in Versinnlichung der Religionsideen für Phantasie und Herz, in einem dadurch gewirkten lebens digen Glauben, in einer Reinigung unserer Em pfindungen und einer erhöhten Rührung fürs Gus te: Alles zu dem groffen moralisch- ästhetischen Endzweck der Difciplin unsrer Neigungen und der Beförderung einer freyen und leichten Harmonie derselben mit den Forderungen der moralischen Vernunft.
Dieß nämlich soll hier unter dem so oft gemißdeuteten Wort: religiöse Erbauung, verstanden werden. Auf richtung des gefunkenen innern Menschen, Veredlung und Ers hebung der Sinnlichkeit zur zwanglosen Harmonie mit der Vernunft, sollte überhaupt der lette, der höchste Zweck aller schönen und rührenden Künste seyn. Jede sollte nach ihrem Vermögen und in ihrem Wirkungskreise dazu beytragen, daß der innere Mensch, der durch Künsteley und Verkünstelung getheilt und zertrümmert worden ist, sich selbst wieder aufbaue und zu einem friedlichen Ganzen vereine.
Die Vernunft verlangt gehorsame Unterthanen; die guten Künste bestreben sich, diese Unterthanen in liebende


