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Wird nun das Gericht beginnen, Kommt ans Licht des Herzens Sinnen,
Wird der Rache nichts entrinnen. Was will Armer ich dann sagen, Wessen Schuhe mich antragen, Wenn selbst die Gerechten zagen? König, hehr und furchtbar schaltend, Gnadenspender, zwanglos waltend, Mich beleb' auch neu gestaltend. Denk des Weges voll Beschwerden, Den Du für mich gingst auf Erden, Lasse drum mir Gnade werden. Suchtest mich mit müden Schritten, Haft für mich am Kreuz gelitten, Nicht umsonst sey so gestritten! Richter der gerechten Sache, Deiner Huld mich theilhaft mache, Vor dem Tage Deiner Rache. Meine Schuld macht mich erbangen; Schamroth decket meine Wangen; Laß mein Flehn zu Dir gelangen! Der Maria's Herz gewendet, Und dem Räuber Heil gespendet, Mir auch füße Hoffnung sendet. Ift mein Fleh'n nicht Dir zur Ehre: Gütigster, doch gütig wehre,
Daß nicht Flamme mich verzehre. Bey den Schafen, Deinen Knechten, Laß mich steh'n, nicht bey den Schlechten, Stelle mich zu Deiner Rechten.


