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Jesus mein Verlangen : ein katholisches Gebethbuch mit Belehrung und Anleitung zu einem gläubig-frommen Lebenswandel / von Dr. Aloys Schlör, Weltpriester
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denn ganz, daß das Leben des Christen eine Buße seyn soll? Oder fündigen wir weni­ger, als die ersten Christen? Oder sind wir gar so schwach, daß wir nicht das geringste Fas sten ertragen können? Aber die Erfahrung zeigt, daß nicht das Fasten, sondern die Un­mäßigkeit und Schwelgerey sehr Viele tödtet.

Jesus mußte am Freytage einen so schreck­lichen Durst erleiden an dem Kreuze; und du kannst nicht einmal das Fleisch entbehren? Er mußte Essig und Galle trinken, und du kannst die Faftenspeisen nicht verkosten? O weichliches Geschlecht! warum bist du so stark zum Sündigen und so schwach zum Fasten? Die Fasttage sind jetzt gewöhnlich von dreifacher Art: An einigen Tagen muß man von Fleischspeisen sich enthalten; an andern kann man zwar( durch allgemeine Dispens) Fleisch essen, aber darf sich nur( Sin­mahl des Tages sättigen; an andern endlich ist sowohl die Enthaltung von Fleischspeisen gebothen, als auch nur einmahlige Sättigung erlaubt. An welchen Tagen und auf welche Art zu fasten sey, kündigt der Bi­schof jedes Kirchensprengels für die Gläubigen, die darin sich befinden, an; daher jeder Ka­tholik, um hierin nicht zu fehlen, seinen Pfar­rer oder Beichtvater über die zu beobachtenden Fasttage fragen soll. Kann Jemand die Faste