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Matth. 26, 21. 22.
,, Und da sie aßen, sprach Er: Wahrlich Ich sage euch, einer unter euch wird Mich verrathen. Und sie wurden sehr betrübt und huben an, ein jeglicher unter ihnen, und sagte zu Ihm: Herr bin ich's?"
,, Mich hat herzlich verlanget mit euch dieß Osterlamm zu essen, ehe denn Ich leide!" so sprach der Herr. Siehe! da sitt Er nun mit Seinen Freunden um den Tisch. Das letzte Osterlamm des alten Bundes ist aufgetragen. Der Schatten des alten Testaments entweicht, das Licht des neuen Testaments ziehet herauf; das Lamm Gottes, wel ches der Welt Sünde trägt, das rechte Osterlamm schreitet zum Kreuzaltar- und spendet nach dem Essen des letzten Osterlamms Sein eigen Fleisch und Blut.-Wie ein Sonnenblick in schwarzen Finsternissen, so kommt mir diese Stunde vor, wo Er das Höchste giebt, und die Freunde aus Seiner Hand das Höchste empfangen. War es immer Seine Freude, Werke der Barmherzigkeit zu than, wie sollte Ihm diese Stunde nicht eine überaus se lige sein, wo Er die Seinen stårkte zum schweren Glaubenskampfe der für sie versuchungsreichen Nacht Seiner Leiden, wo Er sie im Voraus tröstete über ein großes namenloses Wehe, das Er kannte, sie kaum ahnten und noch nicht fassen konnten, wo Er auf das innigste sich mit ihnen verband!- Heilige Stunde! seliges Nehmen! seligeres Geben! Ach, ist aber nicht auch diese Stunde Jhm zu einer Lei densstunde gemacht? Siehe, mitten unter den verklärten Angesichtern der Freunde sitzt eine finstere Gestalt. Es ist Satanas, verstellet in einen Engel


