der Stadt Jerusalem.
91
ward genöthiget, mit dem Reste seiner Truppen sich in die Festung Jotaphata zu werfen, welche nach einer tapfern Vers theidigung erobert und 40000 Juden dabei erschlagen wurden. Josephus gerieth selbst in die Gefangenschaft der Römer, erhielt aber durch die Fürsprache des Titus, und weil er dem Vespasian die künftige Gelangung zur Kaiserlichen Würde vorher sagte, sein Leben und nach der Erfüllung dieser seiner Vermuthung auch die Freiheit. Vespasian bemächtigte sich darauf des ganzen Galiläa, wobei viele Tausende erschlagen oder als Leibeigne verkauft, oder sonst in eine elende Sclaverei geführet wurden. In Jerusalem und den übrigen Gegenden des jüdischen Landes häufte sich inzwischen das größte Elend. Die Parthei derer, die auf den Krieg drangen, verübte gegen diejenigen, die zum Frieden riethen, die äußersten Gewaltthätigkeiten. Mit ihnen verband sich unter der Anführung des Eleazar eine andere Art von Näubern, die Zeloten oder Eiferer benannt wurden, weil sie unter dem Vorgeben eines besondern Eifers für Religion und Freiheit die größten Grausamkeiten begingen; und Plünderung und Mord breiteten sich allenthalben aus. Der Hohes priester Ananus suchte zwar in Jerusalem dieser bösen Rotte Einhalt zu thun; als aber Johannes von Giseala, ein sehr berüchtigter Bösewicht, nach Jerusalem kam, und die Zeloten daselbst auf seine Seite brachte, auch 20000 Jdumäer in die Stadt zog, so ward die Parthei bes Ananus überwältigt, und dieser Hohepriester, den Josephus als einen der besten Männer der damaligen Zeit beschreibet, nebst 11000 der vornehmsten Einwohner getödtet.
Vespasianus eroberte in dem folgenden Jahre unter vielem Blutvergießen die um Jerufalem liegenden festen Örter, und näherte sich darauf dieser Hauptstadt des jüdischen Landes. Sein Heer verlangte zwar, daß er solche, bei der darin herr schenden Uneinigkeit, unverzüglich angreifen möchte; allein der römische Feldherr hielt rathsamer, einem Volke, das sich selbst aufrieb, und welches Gott, wie er sagte, in die Hände der Römer geben würde, zur eigenen Beförderung seines Untergans ges noch ferner Naum zu lassen. Der Tod des Nero und die barauf erfolgten öfteren Veränderungen mit dem römischen Kaisers thum verzögerten die Belagerung noch weiter; und als Vespasian selbst zum Kaiser erwählet ward, begab er sich nach Rom und überließ die Fortsetzung des Krieges dem Titus.
Die durch die unerhörten Grausamkeiten des Johannis und der Zeloten äußerst beängstigten Einwohner in Jerusalem


