Von Gottes Wesen
5. Gott, du bist an allem Ort und gar nicht zu ermessen; ob Einer hier ist, oder dort, ist er dir unvergeffen. Laß mich nicht zweifeln, wo ich sey, könnst du dich mein annehmen; auch, was ich thu', laß mich dabei des Bösen vor dir schämen und überall dich fürchten.
6. Unendlich ist, Herr, deine Macht, zu retten, die dich lieben; und wenn der Frevler dich verlacht, Gericht an ihm zu üben. Gieb, daß sich deiner Allmacht Schutz furt über mich erstrecke; mich auch nicht Menschengrimm und Truß, nur deine Strafe schrecke, du Richter meiner Seele!
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7. Voll höchster Weisheit bist du, Gott, die Nie mand kann ergründen; wie schwer und groß ist auch die Neth, weißt du doch Rath zu finden. Gieb, daß ich zu der Seelen Ruh' auf dich werf' meine Sorgen, auch übels weder denk', noch thu'; denn dir ist nichts verborgen, du prüfest Herz und Nieren.
8. Gott, du bist heilig und gerecht, du kannst die Sünd' nicht leiden; wer sagen will, er sey dein Knecht, der muß das Böse meiden; gieb, daß ich mich zu jeder Zeit der Heiligkeit befleiße, nachjage der Gerechtigkeit, auch dein Gericht gut heiße, ob ich's schon nicht begreife. 9. Du bist sehr gnädig, Gott, und gut, vergiebst die Schuld dem Sünder; erbarmst dich, wie ein Vater thut, von Herzen deiner Kinder. Herr! laß von deiner Lieb' und Gnad' mich immer Trost bekommen; durch fie fey meine Missethat von mir hinweggenommen, daß ich Vergebung finde.
10. Gott! deine Wahrheit stets besteht; wohl denen, die dir glauben! wenn Erd' und Himmel einst vergeht, wird dein Wort ewig bleiben. Gieb, daß ich fürchte dein Gericht und Alles, was du dråuest; auch hoffe, was dein Wort verspricht, daß du mir's gern verleiheft; wer hofft, wird nicht zu Schanden.
11. Höchstselig bist du, Gott, und frei; du thust, was dir beliebet. Du bist ein milder Herr dabei, der


