Gebet der Eltern für Kinder.
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follte, ach) so laß ihn meine vergehung nicht tragen, verdoppele deine gnade in seiner schwachen seele, und vergieb mir um Jesu willen alle meine fünden. Ich übergebe ihn dir ganz, mach es wohl, ich kann nicht mehr, mein Gott, hilf mir aus diesem jammer, aus dieser fin stern nacht des fummers, Amen.
Ach blicke, Gott, in gnaden auf den kranken, Und ströme trost in seine seel herab,
Mir schwinden bey dem kummer die gedanken, Mit angst erfüllt denk ich auch tod und grab: Doch muß es seyn, drückst du sein auge zu, Denn schenke, Herr, dem liebling deine ruh.
Gebet der Eltern für Kinder.
O Heiland, bester finderfreund, Erbarme du dich doch der jugend, Durch dich geführt, mit dir vereint Find't sie allein den weg zur tugend.
Mein Bater, es ist eine besondere angelegenheit, die mich drücket; du hast mir kinder gegeben, die ich zu deinem dienste, die ich zur ewigkeit erziehen soll. Ich sehe die große gefahr, in welcher diese lieblinge meines herzens schweben; sie haben von ihrer geburt her den saamen zu allem bösen in sich, ich bemerke den keim der ihnen von mir angeerbten fünden leider nur zu oft an ihnen; sie dauren mich, und ich erkenne es, als meine heiligste pflicht, alle mühe anzus wenden, sie zu glücklichen geschöpfen zu machen, ihnen die mittel zu zeigen, durch welche sie von der macht des in ihnen wohnenden verderbens können befreyet werden, ihnen auf dem wege zur wahren glückseligkeit voran zu wandeln und sie mit mir zum himmel zu neh men. O wie blutet mein herz ben dem verfalle derer die sich chriten nennen: wie erschrickt meine seele, ben dem anblicke der fünden und laster, welche wie ein strom die welt überschwemmet haben. Ich erzittere, wenn ich die versuchungen überdenke denen meine armen finder blos gestellet sind, versuchungen von innen, reibung und lodungen von aussen, benspiele der schändlichsten art, welche durch die unzählige mannigfaltigkeit und die oft blendenden auftritte einem unerfahrnen gemüthe desto hinreissender sind. Je mehr ich dem ver= derben der welt nachdenke, je mehr ich die drohende gefahr sehe, die über meinen findern schwebet, desto mehr empfinde ich mein unver= mögen, sie davor zu schüßen. Aber du forderst von mir die seelen meiner finder. Es ist meine pflicht sie zu nüßlichen bürgern zu zie hen: schulen und firchen können war daben hülfe leisten, aber eltern sind die ersten, welche hand anlegen müssen, ohne diese wird es unmöglich für lehrer etwas gutes zu schaffen. Es ist meine pflicht, sie mit dem wege zu dir, der quelle aller glückseligkeit bekannt zu machen, und sie in deine gemeinschaft zu führen. Aber mein Gott, das fann ich nicht, wenn ich nicht selber in deiner gemeinschaft stehe, wenn ich nicht selber auf dem wege wandele, der zum himmel fiihret. Alle meine ermahnungen nüßen nichts, wenn sie nicht durch mein benz spiel bestätiget werden. Ich bitte daher um Jesu willen, erbar dich meiner. Bekehre mich gründlich zu dir, damit ich aus eiget


