gb 3578
Vorerinnerung über den Endzweck geiſtlicher Gesänge.
Der heil. Apostel Paulus schreibt an die Ephes. 5. K. 19, V.: ,, Unterhaltet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern. Ginget und pfalmiret dem Herrn in euern Herzen." Und an die Kol. 5. K. 16. V.: ,, Lasset das Wort Chrifti reichlich unter euch wohnen; lehret und ermahnet euch selbst in aller Weisheit mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern, und singet Gott mit Danksagung in euern Herzen."
Die geistlichen Gesänge sollen uns an die Lehren und Geheimnisse unserer Religion erinnern, gute Gedanken und Entschließungen in uns erwecken, und die Seele zu frommen Empfindungen bewegen, daß wir mit Danksagung in unsern Herzen Gott dem Herrn lobsingen.
Die Stimme allein im Singen gebrauchen, ist nicht genug; die Seele muß auch auf die Bedeutung der Worte merken, der Verstand ihren Sinn begreifen, und das Herz die erkannte Wahrheit empfinden und zu seinem Nußen anwenden. Die geistlichen Gesänge enthalten bald Unterrichtungen und Entschließungen, bald Lobpreisungen Gottes und Bitten, bald Danksagungen, bald Bußseufzer und Aufopferungen. Die Stimme allein ohne die Aufmerksamkeit der Seele wäre ein leerer Schall. Was wir von den Gebetsformeln lehren, das müssen wir auch von den Gesängen sagen: wir müssen darauf sehen, daß wir dadurch unterrichtet, zum Glauben ermuntert, erbauet, im Herzen gerührt und gebessert werden.
Der Verfasser.
Univ.- Bibl.
Giessen


