21
Morgenandacht.
Sonne bescheint, während du müßig im Bette dich herumwälzest, und das helle Licht dir in die schlaftrunkenen Augen fällt."
Das Manna, die Speise der Israeliten in der Wüste, konnte vom Feuer nicht verzehrt werden, aber beim ersten Sonnenstrahl zerschmolz es, damit kund würde Allen, man müsse der Sonne zuvorkommen, Dir Dank zu sagen, und bei Aufgang des Lichtes Dich anbeten." Weish. 16, 28.
Daneben führe zu Herzen, daß dem leidigen Satan keine Zeit, kein Ort gelegener sey, den Menschen zur Sünde zu reizen, als wann die Vernunft durch vorhergegangenen Schlaf noch verfinstert, und der Leib zu sinnlichen Begierden mehr denn sonst geneigt ist. Darum steh auf, ruf durch die Nacht, beim Beginn der Wachen; gieße wie Wasser aus dein Herz vor dem Angesicht des Herrn; hebe auf zu Ihm deine Hände". Klagl. 2, 19. Wenn früh du dich erhebest hin zu Gott und zum Allmächtigen du flehest, wenn rein und recht du wandelst, dann wird alsbald Er wach seyn über dir, und Friede geben der Wohnung deiner Gerechtigkeit, dergestalt, daß, obwohl dein Ersteres nur klein gewesen, dein Leßtes doch viel seyn wird über Maaß." Job. 8, 5 ff.
2. Richte deine ersten Gedanken auf Gott.
Jederzeit hat Gott an den Erstlingsfrüchten ein besonderes Wohlgefallen gehabt; darum ermahnet uns der weise Mann Sprüchw. 3, 9.: Herrn mit deiner Habe, gieb ihm von den Erstlingen aller deiner Früchte." Ehre den Füglich spricht hierauf der H. Bonaventura: Sobald du erwachest, räume aus deinem Herzen alle Gedanken, Phantasieen und Träume, welche dir im Schlafe vorgekommen sind, mit welchen der Teufel dich gern beschäftigen möchte, und opfere die Erstlinge deiner Gedanken Gott deinem Herrn, und die eiteln Gedanken, welche dann am meisten deinen Geist bestürmen, wirf von dir, so wirst du zu jeglichem Werke des bevorstehenden Tages andächtiger und bereitwilliger seyn."
Es ist," wie der H. Climacus sagt( Grad. 26, C. 3.), ,, einer unter den bösen Geistern, welcher der Vorläufer heißt, welcher wartet, um, so bald wir erwachen, unsere ersten Gedanken zu verunreinigen und an sich zu ziehen: denn der wird den ganzen Tag haben, welcher des Morgens zuerst Besitz genommen hat." Merke, wie ernstlich der H. Ambrosius dich anredet: ,, Weißt du nicht, o Mensch, daß du die erste Frucht deines Herzens und deiner Stimme Gott täglich schuldig bist? Alle Tage hast du die Erde, alle Tage kannſt du Früchte haben, Ihm dieselbigen aufzuopfern. Deswegen rufe mit dem königlichen Sänger sobald du erwachest:" O Gott, mein Gott, zu dir erwach' ich mit dem Lichte. Nach Dir dürstet meine Seele, ebenso sehr nach Dir mein Fleisch." Ps. 62, 1.
3. Mache eine gute Meinung und opfere Gott dem Herrn alle Gedanken, Worte und Werke des kommenden Tages.
Der dir, o Gott- liebende Seele, gesagt hat: ,, Ich will mich dir vermählen in Gerechtigkeit und Recht und in Erbarmung und in Gnade," Osea 2, 19., derselbige redet nunmehr als ein Bräutigam dir also zu: Setze Mich wie
" 1


