Unterricht über das Gebet.
1. Was das Gebet sey.
Der h. Augustinus sagt: ,, Das Gebet ist ein Aufsteigen der Seele vom Irdischen zum Himmlischen; eine Erforschung des Uebersinnlichen und ein Verlangen nach dem Unsichtbaren." Wenn du liest," sagt derselbe Heilige an einer andern Stelle, so spricht Gott zu dir, wenn du betest, so sprichst du zu Gott." In ähnlicher Weise drücken sich andere Kirchenväter über das Gebet aus; alle stimmen darin überein, daß es eine andächtige Erhebung unseres Gemüthes zu Gott sei, wodurch wir alles, was uns und andern heilsam ist, vertrauungsvoll begehren, Gottes Gnade und Macht preisen und seiner ewigen Majestät gebührende Ehre und Dankbarkeit erzeigen.
2. Wie vortrefflich das Gebet sey.
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Kein Werk ist öfter in der heil. Schrift empfohlen, feins ist frommen und heiligen Männern geläufiger, keins ist nothwendiger als das Gebet. Höre den h. Chrysostomus im, 1. Buch über das Gebet: Wer soll nicht über die Güte Gottes gegen uns staunen und sich verwundern, da Er uns würdigt, Gespräche mit Ihm zu halten und Ihm unsere Wünsche vorzutragen. Durch das Gebet werden wir mit den Engeln vereinigt und entziehen uns der Gemeinschaft, die wir mit den unvernünftigen Thieren haben. Denn das Gebet ist ein Werk der Engel." Und gegen das Ende sagt er:„ Das Gebet ist die Wurzel und Grundfeste aller übrigen Tugenden." Ferner schreibt er im 2. Buche: Wer mit ehrbaren und weisen Männern häufig und vertraulich umgeht, nimmt allmählich deren Sitten an und wird in ihre Weisheit eingeführt: was wird denn jenem widerfahren, der im Gebete häufig mit Gott verkehrt? Nachdem Moses mit dem Herrn gesprochen, war sein Antlig von Strahlen umflossen."
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3. Wie nothwendig das Gebet sey. Der h. Chrysostomus sagt im 1. Buche über das Gebet: Wer nicht zu Gott betet und nicht beständig des göttlichen Gespräches zu genießen begehret, der ist todt und der gesunden Vernunft beraubt; denn das ist eben der deutlichste Beweis der Thorheit, daß einer die Größe dieser Ehre nicht einsieht, und das Gebet nicht liebt, und nicht die Ueberzeugung hegt, die Seele ſei todt, die sich Gott nicht zu Füßen wirft. Daniel wollte lieber sterben, als sich drei Tage des Gebetes enthalten. Unmöglich ist es, ohne die Hülfe des Gebetes ein tugendhaftes Leben zu führen. Denn wie möchte Giner Tugend
üben, wenn er sich nicht beständig dem zu Füßen wirft, der dem Menschen


