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Himmelsleiter oder vollständiges katholisches Gebetbuch mit vielen Belehrungen und Betrachtungen aus den Missionsandachten und Meßgesängen / von Fr. H. Reinerding, Dr. der Theol. und Philos. u. Prof. d. Theol. im "S. Cuthbert's College Ushaw bei Durham" in Nordengland. Mit einem Stahlstich und Goldtitel. Mit bischöfl. Approbation
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Sechste Betrachtung.

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ftimnt. Der Glaube lehrt Jeden, was für ein Urtheil über die Gottlosen ergehen wird, das Gewissen bezeugt ihm die Schuld, daher die Furcht vor dem Antlige des erzürnten Richters, dessen Geseß er verachtet, dessen Barmherzigkeit er verschmäht, und dessen Blut er mit Füßen getreten hat. Aber wie würde dir, meine Seele! zu Muthe sein, wenn du in diesem Augenblicke vor dieses schreckliche Gericht tre­ten solltest? Durchgehe einmal die Jahre, welche du ver­lebt haft, und zähle die Menge deiner vielleicht noch nie recht bereuten, noch gebeichteten Sünden. Müßtest nicht auch du, wenn du mit diesen Sünden in die Ewigkeit hin übergingest, am Tage des allgemeinen Gerichtes vor dem Anblicke deines gottlichen Richters, dessen Blut du mit Füßen getreten haft, zittern und wehklagen!

II. Punft. Betrachte, wie dieses Gericht damit er­öffnet wird, daß alles, was der Mensch Gutes oder Böses auf Erden begangen hat, vor den Augen der ganzen Welt aufgedeckt werde. Ja, alle unsere Thaten auch deine Thaten, so geheim fte auch seien, und selbst deine leisesten Gedanken, alles, was du vom ersten Erwachen deiner Ver­nunft gegen die heil. Gebote Gottes und der Kirche ic. gefündigt haft alle werden wir sie der ganzen Welt ver fündigen hören. D schrecklicher Gedanke! aber dennoch ist es wahr: wir werden Nichts den Augen der ganzen Welt zu verbergen wissen. Welche namenlose Schmach werden dir da deine Sünden bereiten, wenn du sie nicht hier durch wahre Reue und aufrichtige Beichte getilgt hast! O schreck liche Wahrheit für einen Sünder, der sich wohl vor den Men­schen, nicht aber vor Gott zu sündigen schämt! für einen Sünder, der, nachdem er sich vor Gott nicht geschämt hat zu fündigen, jetzt vor einem Menschen sich schämt, seine Sünden aufrichtig zu bekennen! Bist auch du vielleicht ein solcher? Hast du dich vielleicht durch Schaam verleiten lassen, entwe­der eine schwere Sünde, oder einen nothwendig anzugeben­den Umstand in deiner Beichte zu verschweigen oder zu bes mänteln? Thorichter Mensch! ist es nicht besser, daß ein Mensch zu deiner Beschämung deine Sünde kenne, als daß sie zu größerer Beschämung der ganzen Welt aufgedeckt werde?

Betrachyte ferner, wie die Menschen am Tage des Gerich­tes ein ganz anderes Urtheil, als jest, über die Handlungen

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