Die Wöchnerin trägt Gott im Gebet ihr Kind vor.
so muß es 2) in das Abend- und Morgengebet, ja auch in die täglichen Seufzer eingeschlossen werden, daß Gott es wolle mit seinem heiligen Geist regieren, ihm ein frommes Herz verleihen, gute Gesundheit, Wachsthum und Gedeihen geben, seine geraden Glieder erhalten, und es vor Ungluck und Schaden bewah ren. Das Gebet und die Sorgen frommer Eltern nehmen 3) mit zunehmenden Jahren zu, daß ihre Kinder mögen in der christlichen Lehre unterrichtet, gegründet, und zu der Erkenntniß Jesu Christi gebracht werden, welchen Schaß ihren Kindern mitzutheilen sie weder Unkosten, noch Mühe, noch Fleiß sparen sollen. Gehen sie in die Fremde, oder kommen unter die Weltfinder in den spätern Jahren, so nehmen die Sorgen der Eltern zu, aber es muß auch da 4) desto eifriger gebetet werden; da machen es fromme Eltern wie Hiob, welcher alle Abend ein Opfer für seine Kinder brachte, um Gott anzurufen, er wolle seinen Kindern gnädig seyn, und ihnen ihre Sünden vergeben. Es rufen fromme Eltern Gott an, er wolle ihre Kinder vor Verführung bewahren, er wolle sie in keine schweren Sünden und Schanden fallen lassen, er wolle sie durch seinen guten Geist auf ebener Bahn leiten, und es ihnen lassen zeitlich und ewig wohlergehen. Sie haben auch 5) das Vertrauen zu Gott, wenn sie an guter Zucht, Vermahnung in dem Herrn, vernünf tiger Erziehung Nichts haben mangeln lassen, daß er ihr Gebet auch wird erhören, und so ja die Kinder eine Zeit lang irre gehen sollten, daß er sie nach seiner Weisheit wieder herum zu holen wissen werde. Dabei sie dann 6) das Kinderkreuz, so ihnen Gott nach seinem wunderbaren Rath aufleget, mit Ges duld und Vertrauen auf seine Gnade ertragen sollen, bis er auch dasselbe lindern, oder nach seiner Barmherzigkeit wieder nach ſeiner wegnehmen wird.
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Gebet.
Wenn das Kind zur Taufe gelangt.
O du gnädiger und barmherziger Gott, der du der rechte Bater bist über Alles, was da Kinder heißet im Himmel und auf Erden, siehe, ich komme zu dir, in wahrer Demuth meines Herzens, und trage dir mein neugeborenes Kind vor. Barmherziger Gott, nimm doch den von dir geschenkten Segen durch die heilige Taufe zu deinem Kinde an; ach! laß es dein Kind werden und bleiben, beschirme und erhalte es. Du tst, o Jesſu!


