Druckschrift 
Johann Friedrich Starck's ... tägliches Handbuch in guten und bösen Tagen : enthaltend Aufmunterungen, Gebete und Lieder zum Gebrauche gesunder, betrübter, kranker und sterbender Christen ; mit der Lebensbeschreibung des sel. Verfassers / von M. Johann Jakob Stark ...
Einzelbild herunterladen

ihr Abendgebet.

lassen, sondern sprachen: Bleibe bei uns, Herr, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Luc. 14. Also soll auch eine Wöchnerin mit Gebet den Tag anfangen und bes schließen, und die besondere Gnadengegenwart ihres Gottes sich zum Schuß in der bevorstehenden Nacht erbitten. 1) Soll sie Gott danken, daß er den Tag über sie vor Schmerzen und Zufäl len, und ihr Kind vor Unruhe bewahret. Sollte aber Gott ihr nach seinem Rath noch einiges Leiden zugeschickt haben, so soll sie 2) ihn preisen, daß sie unter seinem Beistand dasselbe ausstehen können, und den Abend erlebet habe. Hierauf soll sie 3) sich und ihr Kind dem Schuß des dreieinigen Gottes in der bevorstehen­den Nacht empfehlen. Gewiß, sind alle Unglücksfälle uns Men­schen gefährlich und betrübt, und verursachen Schrecken, wie viel mehr einer Wöchnerin, welche unvermögend ist, einer Gefahr zu entlaufen, und zu schwach, vielerlei Leiden auszustehen. Sie soll sodann 4) nach dem Gebet, ohne sich selbst Sorge, Angst, Furcht und Schrecken und eine schlimme Nacht zu machen, in den Armen und in dem Schooß ihres lieben Gottes einschlafen, und auch bei dem Aufwachen an Gott denken, sich in ihm erfreuen und sich ihm ergeben.

59

Gebet.

Herr, allmächtiger Gott! wie soll ich dir genugsam danken für deine Liebe und Treue, die du mir heute erwiesen hast? Jch habe auch diesen Tag unter deinem Schutz glücklich hingebracht, ich habe den Abend fröhlich erlebet, die Schmerzen und Beschwer­lichkeiten meines Standes hast du mir helfen tragen und über­winden, du hast mich beschüßzet und bewahret, du bist mein und meines Kindes gnädiger Vater, Schußgott und Beistand gewe­sen. Herr, da ich zu dir schrie, machtest du mich gesund. Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen, du hast mir meinen Sack ausgezogen, und mich mit Freude gegürtet, auf daß dir lobsinge meine Ehre, und nicht stille werde. Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit. Hast du aber nach deiner Barmherzigkeit den Tag über mich mit deinen Gnadenflügeln be­decket, ach! so breite auch deine Güte in dieser Nacht über mich aus, behüte mich, mein Haus und alle die Meinigen vor Unglück, Gefahr und Schaden. Verzeihe mir auch in Gnaden Alles, was ich diesen Tag mit Gedanken, Worten und Werken wider dich gethan habe. Ich will mich mun legen, o Gott aller Gnade und Barmherzigkeit! in deine Arme, und will sprechen: Jch liege