130 Für den Regenten, Obrigkeit u. Vaterland. Bei einem Gewitter.
Gebet für den Regenten, die Obrigkeit und das Vaterland.
Großer Gott und Herrscher über alles! Wir danken dir, daß du deine Obrigkeit verordnet haft, und durch dieselbe uns Schuz, Sicherheit des Lebens, Leibes unt Eigenthums, und viele andere Wohlthaten verleiheft. Es ist dein Wille, daß wir Bitte, Gebet und Danksagung für alle Obrigkeiten vor deinen Thron bringen, damit mir ein geruhliches und stilles Leben führen mögen. Darum flehen wir um deinen Segen für unsern Landesregenten. Erfülle ihn mit deinem Geiste, daß er erkenne was uns gut ist, und vollbringe was uns heilsam ist. Verleihe ihm christliche Weisheit, daß er das Reich deines Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, erweitere und befestige. Rüste ihn aus mit Kraft und Stärke, daß er alle Hindernisse des Guten und der Wohlfahrt des Landes glücklich besiege. Laß es ihm nie an weisen und redlichen Rathgebern fehlen, welche das Vaterland, Recht und Gerechtigkeit, Religion und Tugend lieben und schüßen. Mache ihn zum Vater der Wittwen und Waisen, zur Zuflucht der Gedrückten, zum Retter der Unschuldigen, zum Beschüßer aller Guten, und zum Schrecken aller Bösen. Erhalte und bewahre sein theures Leben, schüße seine geheiligte Person vor jedem Unfall. Verherrliche an ihm und an seinem Hause deine Gnade. Erfreue ihn durch jeden eblen und erheiternden Lebensgenuß, und schenke ihm vor allem die Liebe seiner Unterthanen. Sey mit unfrem Vaterlande, Herr unser Gott, wie du bisher mit demselben gewesen bist. Bewahre es gnädig vor Krieg, Theurung, Mißwachs, schädlicher Witterung, vor ansteckenden Krankheiten, vor Feuer- und Wassersnoth, so wie vor Dürre und Wassermangel; verleihe fruchtbare Jahreszeiten, laß Wissenschaft und Künste, Handlung und Ackerbau, unv jeres nüßliche Gewerbe in demselben gedeihen; gib Friede und Ruhe, Glück und Heil in jedem Stande. Laß in unsrem Lande Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; segne uns, Gott, unser Gott, und alle Welt fürchte dich! Amen.
Gebet bei einem Gewitter.
Allmächtiger Gott, Schöpfer und Herr des Himmels und der Erde! Groß und herrlich bist du in allen deinen Werken. Groß und herrlich, wenn deine Sonne uns leuchtet; groß und herrlich, wenn schwarze Wolken deinen Himmel trüben. Du neigest den Himmel und fähreft herab auf dunkeln Mterwolken. Du donnerst und schleuderst deine Blize, daß sie wie Feuerflammen auf uns herabfahren. Hagel, Blige und Sturmwinde sind deine Boten die deine Befehle ausrichten. Herr, wer kann deiner Macht widerstehen? In einem Augenblick vermagst du uns und alles was wir besitzen, in Staub und Asche zu verwandeln. Vor dir muß sich der schwache Sterbliche im Gefühl seiner gänzlichen Unmacht beugen, vor dir der versteckte Sünder unter den Schrecken seines Gewissens zittern. Aber du bist der Allgütige, Gnädige und Barmherzige. Deine Donner and Blize erschüttern, aber sie befruchten auch den Erdboden; deine Sturmwinde schrecken uns, aber reinigen und erfrischen die schwüle Luft, und geben uns eine erquickende Kühle. Wer unter deinem Schirme sizet, du Höchster, und in dem Schatten deiner Allmacht ruhet, der spricht zu dir: Herr, meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe! Auch im grauenvollen Dunkel bist bu bei uns. So breite denn auch in diesen Augenblicken die Flügel deiner Allmacht über uns aus, seh unser Schirm und Schild und wende alle drohende Gefahr von uns ab. Bewahre unser Leben, beschüße unser Eigenthum, und behüte gnädig die Früchte und Gewächse des Landes. Gib, daß der Anblick


