Am Samstag Abend.
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Sohn geschenkt, und ihn auch für mich zu einem Fürsprecher und Erlöser, Heiland und Mittler gemacht hast. Auch ich bin verfühnt und erlöst durch das Leiden und Sterben deines Sohnes, auch ich bin ein Erbe aller himmlischen Güter, und dein heiliger Geist versiegelt mich auf den Tag der Erlösung. Sey gelobet in Ewigkeit, daß du mich armen verderbten Menschen aus meinem Elende gerissen, durch das Wort des Evangeliums berufen, meine finstere Seele erleuchtet, mein krankes Herz geheilt, und mich zu einem neuen Menschen, zu einem Erben des ewigen Lebens gemacht hast.
Mein Gott! Wie hast du mich von meiner Kindheit an bis auf diesen Tag mächtig erhalten, väterlich versorgt, wunderbar geführt! Aus so mancher Noth hast du mich errettet, vor manchem Unglück behütet, in manchem Kummer getröstet. Wenn ich irrete, hast du mir zurecht geholfen, wenn ich sündigte, hattest du Geduld mit mir, mein Gebet hast du erhört und meine Arbeit gesegnet. Habe Dank für alle Gaben deiner Güte, für Freunde und Celiebte, die du mir gegeben, für den Stand, den du mir angewiesen, für jedes Gute, das du durch mich geschehen ließeft; habe Dank auch für die Ruhe der vergangenen Nacht, und für den Tag den du mir wieder schenkest.
Wie viele Menschen, wie viele Arme und Elende, Verlassene und Tiefbetrübte sind auf dieser Erde, denen du mich vorgezogen hast! Womit habe ich deine Liebe verdient? O laß dein Angesicht leuchten über mich und über alle die dich anrufen, segne sie und mich nach deiner Güte. Laß mich allezeit erkennen, wie du zu rühmen und zu loben bist, und meine Seele nicht müde werden dich zu preisen und dir zu danken. Dir, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, sey Ehre und Anbetung in alle Ewigkeit! Amen.
Am Samstag Abend.
Abermals, unendlicher, ewiger Gott, Vater der Menschen, ist eine ganze Woche meines Lebens dahingeschwunden, und du haft auch in diesem Zeitraum deine große Verheißung an mir erfüllt:, ich will dich nicht verlassen noch versäumen." Was ich bedurfte, ja noch mehr als mir Noth that, floß mir von dir, dem Geber aller guten und vollkommenen Gaben, zu. Du stärktest meine Kraft, du wandtest Gefahren, auch solche die ich nicht ahnen und sehen konnte, von mir ab; du schenktest mir manche frohe und heitere Stunden. Gott, du bist treu; dein Wort ist wahrhaftig, und was bu zusagst, hältst du gewiß. Aber war ich auch dir, mein Gott, treu im Lauf meines bisherigen Lebens, treu an dem verflossenen Tage und in der zurückgelegten Woche? War es mein aufrichtiges Bestreben, dir wohlzugefallen, und deinen Willen immer vollkommener zu erfüllen? Habe ich meine unordentlichen Lüfte und Begterben, meine Eigenliebe, meinen Stolz, meine feindseligen Triebe, meinen Hang zum trdischen ernstlich bekämpft? Habe ich mich bemüht, von meinen bösen Neigungen und Gewohnheiten frei zu werden? Habe ich den Beistand deines Geistes durch eifriges Gebet gesucht und seine Gnade nicht vergebens empfangen? Habe ich die Kräfte und Gaben die du mir geschenkt hast, treu und gewissenhaft angewen det? Habe ich die Freuden des Lebens weise und mäßig genossen, Unglück und Leiden gelassen ertragen? Allwissender, wenn mich mein Gewissen verdammt, so bist du noch größer als mein Herz, und siehest noch mehr böses und fehlerhaftes an mir als ich selbst. Laß deine Gnade in Jesu Christo, barmherziger Vater, mächtig über mir walten, und vergib mir die zahllosen Sünden und Uebertretungen meines bisherigen Lebens, auch die Sünden und Fehler ber nun geendigten Woche. Regiere und erleuchte die Augen meines Verstandes durch deinen heiligen Geist, daß ich im Lichte mandle, deine Gebote mit allem Ernst halte, und nichts denke, tede und thue, als was dir wohlgefällig ist. Schon bin ich wieder mit dem


