Druckschrift 
Gesangbuch für die Evangelischen Gemeinden in Kurhessen besonders in der Grafschaft Schaumburg : mit höchster Genehmigung ; [nebst] Episteln und Evangelia auf alle Sonn- und Festtage durchs ganze Jahr
Entstehung
Einzelbild herunterladen

94

Zuverlässige Nachricht.

eitele Hoffnung, und der Krieg wider die Römer ward mit großer Heftigkeit beschloffen. Man machte dazu überall die stärksten Zurüstungen, wählte inJerufalem den Joseph, einen Sohn Gorions, nebst den hohenpriester Unanus, in Idumáa den Eleazar, und in Galiläa Jofephum, einen sehr verständigen und tapfern Mann, der diefe Geschichte hinterlassen hat, zu Unführern; und fing die Feindseligkeiten in verschiedenen Se genden, doch mehrentheiis mit sehr großem Berlust an: wie denn allein vor der Stadt Uscalon über 18,000 Juden ihr Leben einbüßten.

Die Christen hingegen waren der Warnung ihres Heilandes eingebent, und festen sich durch ihre Flucht in die benachbarte Stadt Pella in Sicherheit.

2018 der römische Kaifer Nero den allgemeinen Aufstand der jüdischen Nation erfuhr, trug er den Vefpafianus, einem sehr erfahrnen Feldherrn, den Krieg wider die Juden auf, der nebst seinem Sohn, dem Titus, mit einem zahlreichen Heere den Anfang dess felben in Galiläa machte Josephus hatte daselbstzwar100000 Mannversammelt: allein das Schrecken zerstreuete folche fogleich bei der Ankunft der Römer, und Josephus ward genöthiget, mit dem Rest seiner Truppen sich in dieFestung Jotapata zu werfen, welche nach einer tapfern Vertheidigung erobert, und 40000 Juden dabei erschlagen wurden. Jofephus gerieth selbst in die Gefangenschaft der Römer, erh: elt aber durch die Vorfpras che des Titus, und weil er dem Befpafian die künftige Selangungzur kaiserlichen Würde vorher fagte, sein Leben, und nach der Erfüllung dieser seiner Vermuthung auch die Freiheit. Vefpafian bemächtigte sich darauf des ganzen Galiläa; wobei viele tauſend erschlagen, oder als Leibeigene verkauft, oder sonst in eine elende Sclaverey geführet wurden. In Jerufalem und den übrigen Gegenden des jüdischen Landes häufte sich ins zwischen das größte Elend. Die Parthei derer die auf den Frieg drungen, verübte gegen biejenigen, die zum Frieden riethen, die äußersten Gewaltthätigkeiten. Mit ihnen vers band sich unter der Unführung des Eleazar eine andere Art von Räubern, die Zeloten oder Eiferer genannt wurden, weil sie unter dem Vorgeben eines befondern Eifers für Religion und Freiheit die größten Grausamkeiten begingen; und Plünderung und Mord breiteten sich allenthalben aus. Der Hohepriester Unanus fuchte zwar in Jerufas lem diefer böfen Rotte Einhalt zu thun; als aber Johannes vonGiscala, ein sehr bes rüchtigter Bösewicht nach Jerufalemkam, und die Zeloten dafelbst auf seine Seite brach te, auch 20000 Idumäer in die Stadtzog; so ward die Parthei des Unanus überwältis Bet, und dieser Hohepriester, denJosephus als einen ber besten Männer der damaligen Zeit beschreibet, nebst 12,000 ber vornehmsten Einwohner getödtet.

Befpafianus eroberte in dem folgenden Jahre unter vielem Blutvergießen die um Jes rufalem liegenden festenDerter, und näherte sich darauf dieser Hauptstadt des jüdischen Landes. Sein Heer verlangte zwar, daß er solche, bei der darin herrschenden Uneinig, keit unverzüglich angreifen möchte; allein der römische Feldherr hielt rathfamer, einem Volte, das sich selbst aufrieb, und welches Gott, wie er sagte, in die Hände der Römer geben würde, zureigenen Beförderung seines Unterganges noch ferner Raum zu lassen. Der Tod des Nero, und die darauf folgende öftere Veränderung mit dem römischen Kaiserthum, verzögerte die Belagerung noch weiter; und als Vefpafian selbst zum Kais fer erwählt ward, begab er sich nach Rom, undüberließ die Fortsetzung des Krieges dem Titus. Die durch die unerhörten Grausamkeiten des Johannes und derZeloten äußerst beängstigten Einwohner in Jerusalem hatteninzwischen ein neuesheer von Räubern, unter einem Unführer Namens Simon, in die Stadt gelaffen, um durch fie von jenen Ungeheuern befreiet zu werden; alleinbiefe abermalige Verblendung vergrößerte nur ihr Elend. Denn dieser Simon, der bereits in Soumäa die fürchterlichsten Verwüstuns gen angerichtet, übertraf annoch den Johannes an Graufamkeit und Blutbegierde: zwang denselben, sich in den Tempel zurück zu ziehen, und da auch dessen Parthei sich trennte, und ein Theil derselben unter dem Eleazarden innern Tempel behauptete; fo bekriegten diese drey räuberische Haufen fich unter einander auf das beftigste, opferten eine große Menge der Einwohner ibrer Wuth auf, verdarben durch Raub und Brand den in der Stadt befindlichen Vorrath der Lebensmittel, und legten dadurch den Grund zu der bald darauf erfolgenden schrecklichen Hungersnoth.

Titus näherte sich darauf im siebenzigsten Jabre nack ChristiGeburtim Unfangedes Aprils mit einem wohlgerüsteten Heere, undin Begleitung des Jofephus, der Stadt Jes rufalem. Selbige war mit einer drenfachen sehr starken Mauer und vielen Thürmen umgeben, und faßte, außer dem sehr befestigten Tempel, die Burg Untonia und andere fefte Schlöffer in sich Die Feyer des Osterfestes hatte auch damals eine ungewöhnliche Menge Juden in derfelben verfammelt, wodurch sowohl die Hungersnoth desto ge schwinder vermehret, als auch der auf der ganzen Nation ruhendeFluch um so deutlicher offenbaret wurde. Bei dem Unfange der Belagerung vereinigten sich die drey aufrühres rischen Rotten zum tapfern Widerstande gegen die Römer, fügten ihnen durch heftige Ausfälle vielen Schaden zu, und festen bei einem derselbigen selbst den Titus in die äußerste Gefahr. Allein jene Vereinigung dauerte nicht lange. Johannes überwältigte durch