Wovor der ftudirende Jüngling sich zu hüten habe. 15
sten befizest du doch noch die Freiheit des Willens, wodurch du thun kannst, was du willst; du befizeſt das Licht der Vernunft, die dich leitet, auf daß du nicht wie die Thiere durch äußere Eindrücke, sondern durch deine bessere Einsicht dich bestimmen laffest. Die Menschenfurcht aber nimmt dir die Freiheit und erstickt in dir die bessere Einsicht, und raubt dir also, was dich vor dem Thiere bevorzugt; sie leitet dich, wie Thiere geleitet werden welch' eine Schande!
3. Menschenfurcht ist Sklaverei. Wer von Menschenfurcht sich leiten läßt, hat wie der Sklave keinen Willen, keine Freiheit und keine Ruhe mehr; er ist unter dem Joche nicht eines Einzigen, sondern so vieler, als er fürchtet; er ist ein Sklave der Sünde und des Lasters, der Laune und der verkehrten Ansichten der Andern.
4. Menschenfurcht ist Gottesläugnung. Was sollte es anders sein, wenn man es nicht wagt, sich für einen Diener Gottes zu bekennen? Wenn man das bei der Taufe gegebene Versprechen so feige bricht? Oder hast du nicht versprochen, dein ganzes Leben hindurch offen unter der Fahne Jesu Christi zu kämpfen? Ja, du hast es versprochen, nur unter dieser Bedingung bist du zum heiligen Sakrament der Wiedergeburt, und zum Tische des Herrn zugelassen worden. Und nun solltest du jo feige sein, die Fahne zu verlassen, zu der du geschworen hast, und die heil. Sache dessen Preis zu geben, den du zu deinem Herrn und König erwählt hast? Was hat denn der Dienst Gottes Entehrendes in sich? Welche Schmach liegt denn in der Tugend und Frömmigkeit? Zitterst du nicht vor der Drohung Jesu Christi: Wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird auch der Menschensohn fich schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichteit, in der Herrlichkeit des Vaters und der heiligen Engel?"( ut. IX, 26.)


