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Der studirende Jüngling in seinem Wandel und Gebet : ein Lehr- und Gebetbuch / von Joseph Frey. Mit bischöfl. Approbation
Entstehung
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Belehrungen.

Trägheit ist für dich eine reiche Quelle der Schande und des Verderbens, sie ist das Grab der Tugend und Unschuld; denn die Stunden, welche dem Štu­dium und den Arbeiten entzogen werden, werden dem Spiele, dem Trunke, bösen Gesellschaften, oder bösen Gedanken geweiht. Sie ist überdies noch eine Mörderin deiner Seelenträfte, welche nur durch Fleiß und Anstrengung entwickelt, geübt und ge­schärft werden, aber durch Unthätigkeit erschlaffen und abstumpfen. Unwissenheit oder Halbwisserei sind die verächtlichen Kinder dieser niedrigen Mut­ter; Unbrauchbarkeit und Unfähigkeit zu irgend einem ehrenvollen Stande sind ihre' schmachvollen Schwestern. Dies bezeugt die traurige Erfahrung, beweisen die Beispiele, die lebendig vor unsern Au­gen wandeln; die vielen charackterlosen und geist­losen Jünglinge, die den Scharfblick des Geistes und die Krast des Willens verloren haben, weil fie Sklaven der Trägheit sind. Meide also, christlicher Jüngling, den Müßiggang als die gefährlichste Schlinge, die deiner Unschuld und deinem Glücke droht; bemühe dich, deine Zeit und deine Kräfte gut zu gebrauchen, und deine Bildung mit allem Ernste zu betreiben. Bedenke, daß die Arbeit dir von Gott wegen deiner Sünden auferlegt, und folg­lich eine Genugthuung für verübtes Unrecht ist; daß die Zeit, die durch Müßiggang verloren geht, eine sehr kostbare Sache ist, die mit allen Schätzen der Welt nicht kann erkauft werden; daß die Tage deines Lebens abgemessen sind, mit jedem Augen­blicke ihrem Ende nahen und du plözlich an der Schwelle der Ewigkeit stehen kannst, um strenge Rechenschaft abzulegen über den Gebrauch dersel ben.-Willst du nun der Trägheit dich entwinden, und deine jugendlichen Kräfte verwenden zu deinem tünftigen Glücke, so thue vor Allem das, was dein Beruf von dir fordert, nämlich: das Nothwendige,

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