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Morgen- und Abendgebete.
Du hast so vieles Gute mir gegeben, Mein Bestes treuer, als ich selbst bedacht, Mit Rührung blick' ich auf mein Erdenleben; Du, Herr, hast Alles, Alles wohlgemacht!
Wie hab' ich deine Treue dir vergolten? Wie hab' ich meine Liebe dir bewährt? Ach, selten thun wir Schwachen, was wir sollten, Und keiner ist der ew'gen Liebe werth!
Wo sind die Jahre, die du mir geſchenket, Wer ist es, der vor dir sich rühmen kann? Wie oft hab' ich, o Herr, dein Pfund versenket! Wie wenig für das Himmelreich gethan!
Ich schäme mich, daß ich von dir gewichen; Du gabst mir Zeit zur Reu' und Besserung. Die Welt mit ihren Reizen war verblichen; Und doch erhielt sie neue Huldigung.
Ich thue nicht das Gute, das ich wähle, Wenn mich die Last der Eitelkeit bethört. Der Pfad ist schmal. Oft schwankt die müde Seele, Wenn sie nicht laut den Ruf des Himmels hört.
Ach, diesen laß mich froh und immer hören, Wenn sich das Herz im Zeitlichen vergißt; In Demuth laß mich deine Weisheit ehren, Und nie vergessen, daß du Richter biſt!


