Morgen- und Abendgebete.
Und eure Hülle deckt der Aschenkrug! So schwindet Alles, nur die Wahrheit bleibet, Dem Felsen gleich, im stürmevollen Meer, Jahrtausende führt dort die Zeit vorüber; Es steht und trotzt dem lauten Wellenmeer. So steht die Tugend! Berg' und Hügel weichen, Die Kraft veraltert an dem Wanderstab; Und eine Menschheit um die and're sinket Hinab in's große mütterliche Grab.
Nur du allein, verklärte Himmels- Tochter, Hast in die Sonne deinen Thron gebaut! Ihr Licht und deine Kraft ist unvergänglich; Wohl dem, der dir mit festen Muth vertraut! Er sieht am Schlusse eine Abendröthe,
Er hört im Tod den Ruf der Ewigkeit,
180
Und findet in der schwarzen Nacht des Lebens Den Stern der seligen Unsterblichkeit.
Wohl mir dereinst, wenn ich den Lauf vollendet, Wenn Alles um mich welket, stirbt und schweigt, Mein Auge bricht, mein Herz im Tod erkaltet Und meine Hülle sich zu Grabe neigt; Wohl mir dereinst, daß ich die Tugend liebte, Daß ich mit Lust auf ihrem Pfade ging, Daß ich die Einfalt und das Wahre suchte Und nicht das Herz an eitle Träume hing; Ich fühl' es tief, man kann die Weisheit lieben, Und durch die Unschuld reich und glücklich sein. So lebte Jesus Christus unter Menschen; Er starb am Kreuze, aber schuldenrein.


