Morgen- und Abendgebete.
mach? Fließet doch keine Thräne und wäre sie im verborgensten Kämmerlein geweint; ſteigt doch kein Seufzer aus gepreßtem Herzen, und entzöge er sich auch dem leisen Ohre des Lauschers, drückt doch keine Sorge unsere Brust, und bliebe sie verborgen vor aller Welt, die du nicht zählest und hörest und linderst. Nicht erst zu klagen brauche der Mund, nicht erst zu beten die Lippe; du, der in's Verborgene schaut, kennst unseres Herzens Sehnsucht und Verlangen, und antworteſt, ehe wir rufen, hörest uns, ehe wir reden. Ja du, der überschwenglich thun kann über Alles, was wir bitten und verstehen, du haſt die Hilfe bereitet, noch ehe wir den Druck des Leidens empfinden; hast die Auswege gebahnt, noch ehe wir die dunkeln Verkettungen unseres Schicksals recht erkannten; du führtest das helle Licht der Freude und der Rettung hervor, noch ehe die Nacht des Ungemachs und Kummers uns ganz umfing. Deinen Vaterhänden vertrauen wir unser Glück und Leben, führe uns heute nach deinem weisen und gnädigen Rathe. Gewährtest du uns auch nicht, was unser sinnliches Herz ersehnt; größere und bessere Güter haſt du uns beſtimmt. Prüfest du uns auch im Kampfe; aus dem Kampfe führeſt du
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