Vorrede zur ersten Auflage.
Das alte Starkenbuch erscheint hier in einer neuen Gestalt, und es ist die Absicht der Vorrede, sich hierüber zu rechtfertigen. Das Bedürfniß einer neuen Auflage war mehrfach an den Herrn Verleger herangetreten; aber zweierlei Bedenken standen entgegen, nämlich einerseits der Blick auf die bedeutenden Herstellungskosten des umfangreichen Werks, andererseits die Rücksicht auf die Ansprüche und Erwartungen des Publikums, welches kürzere Gebete verlangt. Der Gedanke an Kürzung lag daher nahe; aber es fragte sich, ob eine solche bei einem so alten und bekannten Buche zulässig und rathsam erscheine? Ein Blick auf die Beschaffenheit des Buchs mit seinen unzähligen Wiederholungen, mit seinen vielen Erklärungen aus dem Gebiet der Geschichte, der Alterthumskunde und anderer Wissenschaften, welche wohl in einem belehrenden Vortrag, aber gewiß nicht im Gebet am Plaße sind, hob nicht nur dieses Bedenken, sondern eine Kürzung in dieser Richtung schien vielmehr dem Buche zum Vortheil zu gereichen. Auch über die Grundsäge, nach welchen sich die Kürzung zu richten hätte, konnte kaum ein Zweifel entstehen. Die Richtschnur, an welche sich die Gebete halten, bilden die Bibelterte; diese sind die Grenzpfähle, innerhalb deren sich die Andacht bewegt. An diese mußte sich daher auch die Bearbeitung halten. Sie wollte aber dabei nicht stehen bleiben. Die starren Bestimmungen der altkirchlichen Glaubenslehre, womit Stark den Bibeltert füllt und ausweitet, gehen bekanntlich über das Vorbild der gesunden Lehre weit hinaus, und mußten sich daher gefallen lassen, nach dem Maß des Schriftworts beschnitten zu werden. In gleicher Weise mußten die gesuchten, in's einzelne gehenden und daher ermüdenden Nusdeutungen biblischer Bilder und Gleichnisse auf ein bescheibenes Maß zurückgeführt werden. Endlich wurden die nicht


