für die Verstorbenen. 12
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fchrecklich für mich würde meine Thorheit seyn, wenn ich, wie fo viele meiner verblendeten Brüder, mein ganzes Leben mit Sorgen und Arbeit für die hinfälligen Dinge der Erde, für ihre eitlen Freuden und nichtigen Vortheile zubrachte, für das Beste meiner Seele aber gar nicht, oder nur oberflächlich, bekümmert wäre? Wie entfeßlich müßte meine Reue, wie bits ter und fruchtlos meine Thránen seyn, wenn ich einmal hins geworfen auf mein Sterbelager mit zitternder Angst auf mein vollbrachtes Leben zurückschaute, und Nichts, oder nur Wenig fände, was mich nun trösten, und mir Freude und Zuversicht vor meinem Richter geben könnte? Wenn ich mir sagen müß te: Ich habe so viel gearbeitet, so manche Mühseligkeit erdul, det, so viele Aufopferungen gemacht, um den Menschen zu gefallen, um mir bequeme, wollüstige Tage zu verschaffen, um zu glänzen; und für mich, für meine Seele, für meinen Gott habe ich nichts gethan? Ich habe für meinen Körper gelebt, und meine Seele, das Allerwichtigste an mir, habe ich vers nachläßigt? Nein, o mein Bater! so thbricht will ich nicht seyn; ich will hinaufschauen auf meine Todesstunde, und sie foll mich antreiben, gut zu seyn; ich will, wenn mir eine Versuchung schmeichelt, eine Sünde mich einladet, eine böse Neigung mich zu unvernünftigen Rasereyen ruft, mein Grab bedenken, und zu mir sagen: Wie schwer würde diese That auf mich einst drücken, wenn ich sie mir erlaubte? Ich will mich bey allen Dingen, die ich unternehme, fragen: Bird mir dieses einst auf meinem Sterbebette Troft edek Verzweifs Tung bringen? Ich will, wenn mich die Habsucht reizt, die Wollust lockt, die Ehrfurcht an sich reißt, mir vorstellen, daß einst nicht Gold, nicht genoffene Freuden, nicht Würden, aus den Klauen des Entsetzens befreyen; wohl aber werden mich dann gute Werke, tugendhafte, edle, wohlthätige Handlungen erquicken; und das Andenken an vollbrachte Werke christlicher Liebe, ia fogar die Erinnerung an einen Trunk Wasser, den ich einem Dürftenden um Jesus willen reichte, wird mich dort mehr erfreuen, und mir mehr nüßen, als wenn ich Millionen beseffen, oder in allen Lüften der Sinne geschwelgt hätte. Dieß soll mich zur Wachsamkeit, zum Eifer, zur Thätigkeit entflammen, daß ich mir solche Schätze erwerbe, die dann, wenn eine Welt nichts mehr in meinen Augen seyn wird,


