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Seele ift betrübt bis in den Tod!" mit Deinen Schmer zensseufzern, mit den herzzerschmetternden Bußermahnungen, welche ich vernehme, mit dem Anblicke Deines Kreuzes, das sich überall mir darbietet. Herr, hilf mir bei dem ernsten Geschäfte, wozu diese Zeit mich auffordert, die traurige Geschichte meiner Sünden und Vergehungen mir ins Gedächtniß zurückzurufen und immer zu wiederholen; unter Demüthigungen und Thränen in Deinen blutenden Wunden die Strafen zu lesen, die ich reichlich verdienet habe, und die Deine Liebe und Dein Erbarmen auf sich nimmt; der schauerlichen Abgründe zu gedenken, aus wel chen Deine durchbohrte Gnadenhand mich empor zieht; den Tod zu betrachten, in dessen Finsternisse und Qualen Du für mich hinabsinkst. mein Gott, verleihe mir Deine Gnade, daß ich diese hochheilige Zeit dazu anwende, die große und unvergleichliche Geschichte der Leiden meines Herrn Jefu mir vor die Seele zu stellen, mir ins Herz zu drücken und mich darein völlig zu versenken, um hier das selige Geheimniß meiner Erlösung, um hier die Eigen schaften meines Gottes und Vaters, seinen Haß gegen die Sünde und sein unaussprechliches Mitleiden und Erbarmen mit dem elenden, armen Sünder verstehen zu lernen; um hier die Erfüllung aller seiner Verheißungen, seines von Anbeginn der Welt gefaßten Heilsrathschlusses zu betrachten; um hier seiner Zärtlichkeit und Gnade und der Vergebung meiner Sünden durch Christi Blut und Gerechtigkeit gewiß zu werden; um hier alle Schwermuth des ' geängsteten Sünderherzens, alle Verzweiflung des Unglaubens, alle bittere, bange Noth der verzagten Seele wegzuwerfen und der Liebe mich zu getrösten, welche den einigen geliebten Sohn für mich dahingegeben hat und sicherlich in Ihm mir alles schenken wird. D Herr! laß es mich nicht vergessen, daß jetzt die Zeit ist, den Tugenden nachzudenken, welche in dem Leiden und Tode des Erlösers der Welt in so hellem Lichte strahlen; verleihe mir Deine Gnade, o Herr Jesu, daß ich bei dem Anblicke Deines Elendes die Liebe zur Welt verleugne, das Fleisch kreuzige, die bösen Lüste und Begierden in mir ertödte und wider mich selbst, wiper mein troßiges und verzagtes Herz ankämpfe; daß ich bei Deinem Anblick, Du sanftmüthigster, Dulder, der Du Dich willig in die Hand Deines


