Erstes Buch. Sechstes Kapitel. 19
ligen zu Rath und höre schweigend ihre Aus: sprüche an. Laß dir die Gleichnißreden der Alten nicht mißfallen, denn sie werden nicht ohne gute Gründe vorgetragen.
Sechstes Kapttel.
Von den ungeregelten Neigungen.
1.
Sobald der Mensch nach etwas eine unor
dentliche Begierde trägt, wird sein Gemüth beunruhiget. Der Hoffärtige oder Geizige hat niemals Ru der Arme im Geiste und Demüthige aber wandelt in einem vollkommenen Frieden. Ein Mensch, welcher sich selbst noch nicht ganz abgestorben ist, geräth leicht in Versuchung, und wird selbst in geringfügigen und unbedeutenden Dingen überwunden. Der Schwache am Geist und der noch einigermaßen fleischlich und zum Irdischen geneigt ist, kann sich schwer von irdischen Begierden gänzlich losmachen. Deßwegen verfällt er oft in Traurigkeit, wenn er sich ihrer entschlagen will; er wird auch leicht unwillig, wenn ihm Jemand widerspricht.
2. Hat er aber erlangt, was er begehrte, so wird ihn auch alsbald sein schuldiges Gewissen ängstigen, weil er seiner bösen Neigung folgte, die nimmer zu dem Frieden führt, den er suchte. Den wahren Frieden des Herzens


