Erstes Buch. Drittes Kapitel.
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reißen, sondern leitet sie beliebig durch die Vernunft. Es gibt keinen schwerern Kampf, als sich selbst überwinden! Und doch muß gerade das unser Hauptgeschäft sein, daß wir uns selbst überwinden, täglich stärker werden und in der Tugend in etwas wenigstens fort schreiten.
4. Auch die höchste Vollkommenheit, zu welcher man in diesem Leben gelangt, ist noch mit einiger Unvollkommenheit verbunden, und alle unsre Einsichten und Kenntnisse haben noch einiges Dunkel. Jedenfalls führt demüthige Erkenntniß deiner selbst sicherer zu Gott, als die tiefste Ergründung der Wissenschaft. Zwar soll man das Wissen oder die Kenntniß irgend einer Sache nicht tadeln; sie sind in sich selbst gut und von Gott angeordnet; vorzuziehen ist aber immer ein gutes Gewissen und tugendhaftes Leben. Weil jedoch Vielen mehr daran liegt, viel zu wissen, als recht zu leben, so gerathen sie öfters auf Irrwege und bringen keine oder nur wenig Frucht.
5. O wenn diese Leute sich eben so viele Mühe kosten ließen, die Keime der Sünde auszurotten, sich Tugenden einzupflanzen, als bloß gelehrte Fragen aufzuwerfen, gewiß, es würde nicht so viel Böses geschehen, kein so großes Aergerniß unter dem Volte, nicht so viel Unordnung in den Klöstern herrschen. Wahrlich, erscheint einst der Tag des Gerichtes, dann wird nicht die Frage sein, was wir gelesen, sondern was wir gethan, nicht


