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und Wald, auf daß dich nicht die lieben Vögelein beschämen, die so eifrig und fleißig zu Gottes Ehre singen auf den Zweigen und in den blauen Lüften, wenn der Herr die Natur im Frühlinge in ihr Feierkleid gekleidet hat. Da sprich:
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Und wenn das Feld reif geworden ist zur Ernte, und die Schnitter kommen und schlagen die Sichel an, denke an das Gleichniß vom Unkraut unter dem Waizen und bitte deinen Herrn, daß er dich zur vollen Garbe machen möge, damit dich einmal die Engel am großen Erntetage der Welt in Gottes Scheuern sammeln können. Säe ja nicht auf das Fleisch, damit du nicht einmal vom Fleische das Verderben ernten mußt; nein, auf den Geist säe, so wirst du das ewige Leben ernten. Und wenn der Herbst über die Fluren hinzieht und die Blätter braun und gelb färbt und sie zuletzt abschüttelt, daß die Winde mit spielen, Lieber, da denke, wie alle irdische Herrlichkeit so schnell vergeht, und wie auch deine Tage dahineilen; denke:„ Ich selber bin ein fallend Laub, und was ich thu', zerfällt in Staub; ich selber bin des Todes Raub. Und
Ich selber kann und mag nicht ruh'n; Des großen Gottes großes Thun Erweckt mir Herz und Sinnen; Ich singe mit, wenn Alles singt, Und lasse, was dem Höchsten klingt, Aus meinem Herzen rinnen.
wenn der Herr im Winter die Natur mit einer Schneedecke einhüllt, wie mit einem weißen Leichentuche, daß die Pflanzen und Gewächse wohl darunter ruhen und schlafen, siehe, das ist auch des Nachdenkens werth und erinnert an jenes schöne Abendlied, darin es heißt: Einst kommen Stund' und Zeiten, da man euch wird bereiten zur Ruh' ein Bettlein in der Erd'." Habe also deine Freude an Gottes Gaben und Werken in


