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Neues Braunschweigisches Gesangbuch : nebst einem kurzen Gebetbuche zum öffentlichen und häuslichen Gottesdienste ; [nebst] Episteln und Evangelia auf die Sonn- und Festtage; nebst der Leidensgeschichte Jesu und kurzen Morgen- und Abendgebeten auf jeden Tag in der Woche
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68 Beschreibung der 3erstörung der Stadt Jerusalem.

Dieser schreckliche fall hat sie beweget, daß sie von dem tage an bedacht gewesen, sich zu ergeben, sind mit Tito zu einer unterredung und unterhaltung gekommen; aber dieweil sie zu lange geharret hatten, friede zu machen, und sie um friede und freiheit baten, da sie schon ausgehungert, und auf das höchste bedrängt waren nichts daraus, und die stadt ist nur wenige tage kümmerlich aufge: halten worden. Mittler zeit ist eine unzählige menge volks aus großer angst und höchster noth, wegen des unerträglichen hungers,

ward

* aus der stadt in das lager, den feinden in die hande gelaufen; da hat man sie sehr wohlfeil verkaufet. Damals haben die kriegsknechte ohngefähr gesehen, daß ein jude aus seinem eigenen miste gulden ge­lesen, welche er eingeschluckt gehabt; da ist bald ein gerücht durch das ganze lager unter dem kriegsvolke gegangen, die juden, fo heraus in das lager geflohen, hätten gold eingeschluckt;( denn es waren etliche, welche wegen fleißiges besuchen sonst nichts als gold wegbringen, oder vor den soldaten behalten konnten) dies gerücht gab nun urfach, daß vor den kriegsknechten, welche gedachten, fie würden bei allen juden gold finden, über zwei tausend juden in einer nacht aufgeschnitten wurden; und ihrer wären noch viel mehr umkommen, wenn Titus nicht hätte ausrufen und gebieten lassen, daß man die gefangenen nicht tödten sollte.

Endlich ist die stadt Jerusalem erobert, und weder jung noch alt verschonet worden; doch hat man ein gebot ausgerufen, daß man aller elenden leute, so zu keiner wehr und widerstand vermögend waren, schonen sollte. Also ist ganz Jerusalem durchaus von den feinden schrecklich geplündert, angesteckt und verbrannt, der größte theil zerrüttet und verwüstet worden, wenige gebäude sind stehen ge= ¹ blieben, daß man nur etliches römisches kriegsvolk darinnen zur be fagung lassen können. So sind auch etliche einzelne wüste gebäude und thürme übrig geblieben, allein nur öde, zur anzeigung, daß dafelbst eine stadt ehemals gewesen wäre. Und ist also Jerusalem ver­wüstet, und zu grunde verderbet, den achten tag des Septembris im fünften monat darnach als sie zuerst belagert worden. Der ge fangenen hat Titus bei siebzehn tausend, alle junge starke manns­personen, gen Alexandriam geschickt, um daselbst wie leibeigene Enechte steine zu tragen, und zu arbeiten. Viele juden hat man wie das vieh gar wohlfeil verkaufet, zwei tausend hat man hin und wieder in die länder durch das ganze römische reich ausgetheilet, daß man sie, wenn man schauspiele gehalten, zum gepränge, von den wilden thieren hat zerreißen laffen.

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Die menge aller gefangenen, so am leben geblieben, find an der zaht sieben und neunzig tausend, da doch, als die belagerung an gefangen wurde, wohl zehn mal hundert tausend in der stadt gewe­sen sind, welche mehrentheils fremde und nicht bürger, wiewohl alle vom jüdischen stamm und geblüt gewesen sint.

Als nun Titus Jerusalem mit gewalt eingenommen, verbrannt, zerrüttet und verheeret hatte; besegte er den ort des landes mit etlichen kriegsknechten, um der umliegenden länder willen, und rückte bis an den fluß Euphrat, denn so weit ging damals das romische reich. Als aber die gewaltige, berühmte und heilige stadt Jerusalem zerstört worden, hat man gezählt von anbeginn der welt vier tausend und vier und dreißig, vom anfange der stadt Nom acht hundert und drei und zwanzig, nach dem leiden Christi vierzig jahr.