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Neues Braunschweigisches Gesangbuch : nebst einem kurzen Gebetbuche zum öffentlichen und häuslichen Gottesdienste ; [nebst] Episteln und Evangelia auf die Sonn- und Festtage; nebst der Leidensgeschichte Jesu und kurzen Morgen- und Abendgebeten auf jeden Tag in der Woche
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66 Beschreibung der Serstörung der Stadt Jerusalem.

ofterfest des gottesdienstes halber zu Jerusalem zusammen ommen. So war auch, wie oben angezeiget worden, zuvor in der stadt viel zusammengelaufenes volt, welches aus Galiläa vertrieben worden. Es waren drei partheien in der stadt, welche die einigkeit und das regiment je långer je mehr zerrissen, wie es zu gehen pflegt. Ein theil hatte den tempel inne, unter denen war Eleazarus der oberste, ein sohn Simonis, mit dem hielten es die Beloten, ein böses heuch­lerisches volk, das den bürgern sehr feind war. Den untern theil der stadt hatte Johannes inne, welcher ein anfang alles unglücks war. Den obern theil hatte Simon inne, mit zwanzig tausend Idumdern, welche erfordert waren, die stadt von der Zeloten muthwilligen und grausamen vornehmen zu schüßen: da man derselbigen gåste gerne wieder los gewesen wäre, hat man ihrer nicht los werden können.

Titus, als er nun merkte, daß die stadt Jerusalem mit so un­zähligem volke überladen und überhäuft wäre, rüstete und stärkete sich in großer eil, die stadt zu belagern und eine wagenburg um sie zu schlagen,( wie Christus zuvor gesagt hatte) dieweil das volk bey einander wäre, daß sie der hunger desto hårter drångete und ångstete. Da das die juden sahen, versuchten sie das äußerste, es zu hindern, zu wehren und ihnen zuvor zu kommen; aber es war aus mit ihnen, da war kein glück mehr; unser herr gott wollte das garaus mit ihnen spielen; darum ging ihnen kein rath noch anschlag von statten, da war lauter uneinigkeit. Und ist in dieser zeit in der stadt ein aufruhr entstanden, daß eine große menge volks bey dem tempel erschlagen worden.

Die stadt Jerusalem war sehr fest an dem orte, wo man zu der stadt kommen konnte, sie hatte drei mauern, drum rückte das ro mische kriegsvolk mit ganzer macht hinan, um die stadt zu stürmen: und nach großer arbeit ist die doppelte mauer erstiegen und eingenom men worden. Um dieselbige zeit ist eine unzählige menge volks hun­gers gestorben, wie Josephus schreibet. um einen kleinen bissen brot haben sich oft die besten freunde gehauen und gestochen: die kinder haben den eltern, vater und mutter den kindern oft speise aus dem munde gerissen; da hat sich weder bruder noch schwester des andern erbarmet. Ein scheffel torn hat viele gulden gegolten, etliche haben aus großem hunger kuhmist, etliche die riemen von den satteln, das leder von den schildern und dergleichen abgenaget und gegessen; etliche haben noch heu im munde gehabt und sind also todt gefunden worden; etliche haben in den heimlichen gemächern gesuchet, sich mit unflath und mist für den hunger zu erreiten, und ist eine folche große menge hungers gestorben, daß Ananias, Eleazari sohn, welcher zu der zeit der belagerung zu Tito geflohen, angezeiget hat, daß hundert und funfzehn tausend todte körper in der stadt gefunden und begraben seyen. Hegesippus schreibet, daß allein zu einer pforte viele tausend leichen hinausgetragen worden, und daß bei fechs hundert tausend menschen, seit der belagerung, todt geblieben sind.

Die juden hatten noch die burg Untoniam innen, welches eine starke feftung war; so hatten sie auch den tempel, von welchem eine brücke in die stadt ging. Diese festung zu erobern, kostete viel mehr arbeit, als alle andern örter. Tito aber, wiewohl er gewiß war, daß der hunger endlich die juden in der stadt tilgen und theilen würde, ward doch die zeit zu lang, und hielt an und vermahnte.